Anthony III (1991) – Wenn altes Grauen unter amerikanischen Boden erwacht
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Anfang der 90er befand sich das Horrorkino in einer seltsamen Übergangsphase. Die großen Slasher-Reihen hatten ihren Zenit überschritten, während der moderne Horror noch nicht definiert war. Genau in dieser Lücke entstanden Filme wie Anthony III auch bekannt unter „The Runestone“ – kleine, düstere Genreproduktionen, die sich aus okkultem Horror, Mythologie und klassischem B-Movie-Flair speisten und vor allem im Heimkino ihr Publikum fanden.
Anthony III ist kein lauter Film. Kein Effektgewitter, kein Gore-Fest. Stattdessen ein langsamer, unbehaglicher Horrortrip, der mehr mit Atmosphäre als mit Schockmomenten arbeitet – und gerade deshalb typisch für das frühe 90er-VHS-Kino ist.
Die Handlung – Ein Fund, der hätte verborgen bleiben sollen
Die Geschichte beginnt mit einer archäologischen Entdeckung in der amerikanischen Wildnis. Bei Grabungsarbeiten stößt eine Gruppe auf einen uralten Runenstein – ein Artefakt, dessen Ursprung weit vor die bekannte Geschichte Nordamerikas zurückreicht. Was zunächst wie eine wissenschaftliche Sensation wirkt, entpuppt sich schnell als Siegel, das etwas Böses gebannt hielt.
Nach der Bergung des Steins häufen sich seltsame Ereignisse. Gewalt, Wahnsinn und Tod breiten sich aus. Der Runenstein wirkt wie ein Katalysator, der das Dunkle im Menschen freilegt. Alte Legenden über nordische Götter, heidnische Rituale und ein uraltes Wesen werden plötzlich real – und es wird klar, dass der Stein nicht gefunden, sondern in Ruhe gelassen werden sollte.

Der Film erzählt diese Eskalation bewusst langsam. Die Bedrohung kündigt sich schleichend an, über Atmosphäre, Andeutungen und psychische Veränderungen. Der Horror entsteht nicht sofort durch das Übernatürliche, sondern durch das Gefühl, dass etwas Unumkehrbares in Gang gesetzt wurde.
Spannung – Langsam, bedrückend, unausweichlich
Die Spannung von Anthony III folgt keinem modernen Rhythmus. Der Film nimmt sich Zeit, baut Stimmung auf, lässt Räume wirken. Statt Jump-Scares gibt es eine stetige Verdichtung von Unbehagen. Man spürt früh, dass der Runenstein Unheil bringt – doch der Film verzögert die offene Konfrontation bewusst.
Diese Langsamkeit kann herausfordernd sein, ist aber Teil des Konzepts. Anthony III will nicht erschrecken, sondern verunsichern. Der Zuschauer soll das Gefühl bekommen, dass sich das Böse nicht bekämpfen lässt, weil es längst Teil der Welt geworden ist.
Inszenierung – Okkulter Horror im VHS-Gewand
Optisch ist der Film klar im frühen 90er-Low-Budget-Bereich angesiedelt. Gedämpfte Farben, einfache Kameraarbeit, wenig visuelle Spielereien. Doch gerade diese Zurückhaltung unterstützt die Geschichte. Die Landschaften wirken leer, die Innenräume kalt, die Welt insgesamt abweisend.
Die Effekte sind sparsam und handgemacht. Keine digitale Überwältigung, sondern Masken, Licht und Schnitt. Wenn das Übernatürliche sichtbar wird, wirkt es roh und unangenehm – nicht spektakulär, sondern fremd.

Der Film erinnert damit eher an späten 80er-Okkulthorror als an zeitgenössische Slasherproduktionen.
Thema – Das Böse als Erbe
Im Kern erzählt Anthony III eine klassische Horrorgeschichte über verdrängte Vergangenheit. Alte Mächte verschwinden nicht, nur weil man sie vergessen hat. Der Film verbindet nordische Mythologie mit amerikanischem Boden – und stellt damit die Idee infrage, dass Geschichte klar abgegrenzt ist.
Der Runenstein steht sinnbildlich für Wissen, das nicht verstanden wird, für Arroganz gegenüber dem Alten. Die Katastrophe entsteht nicht aus Neugier allein, sondern aus Ignoranz gegenüber Warnungen.
Die Hauptdarsteller – Funktional, ernsthaft, ohne Starallüren
Wie viele okkulte VHS-Horrorfilme der frühen 90er setzt Anthony III nicht auf große Namen, sondern auf solide Charakterdarsteller, die der Geschichte Glaubwürdigkeit verleihen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gerade diese Zurückhaltung passt hervorragend zum ernsten, beinahe dokumentarischen Ton des Films.
Peter Riegert
Peter Riegert bringt als zentrale Figur eine ruhige, bodenständige Präsenz in den Film. Bekannt aus unterschiedlichsten Genre- und Charakterrollen, spielt er hier keinen klassischen Horrorhelden, sondern einen Mann, der rational denkt und dennoch langsam begreift, dass Logik allein nicht ausreicht. Riegert verkörpert genau den Typ Mensch, der in okkulten Horrorfilmen am stärksten wirkt: skeptisch, reflektiert, aber letztlich machtlos gegenüber dem Übernatürlichen. Seine Darstellung erdet den Film und verhindert, dass die Geschichte ins Fantastische abdriftet.
Joan Severance
Joan Severance bringt eine kühle, fast distanzierte Ausstrahlung mit, die hervorragend zur Atmosphäre von The Runestone passt. Ihre Figur wirkt kontrolliert, analytisch, aber innerlich zunehmend verunsichert. Severance spielt keine hysterische Horrorfigur, sondern eine Frau, die versucht, die Kontrolle zu behalten, während um sie herum alles entgleitet. Gerade diese emotionale Zurückhaltung verstärkt das unheimliche Gefühl des Films – Angst wird hier nicht ausgestellt, sondern unterdrückt.
William Hickey
Ein besonderes Highlight ist William Hickey, der mit seiner markanten Stimme und seinem unverwechselbaren Auftreten sofort Aufmerksamkeit erzeugt. Hickey war prädestiniert für Rollen, die Wissen, Geheimnisse und latente Bedrohung transportieren – und genau das bringt er auch hier ein. Seine Szenen verleihen dem Film zusätzliche Schwere und ein Gefühl von uralter, unausweichlicher Gefahr. Sobald er auftaucht, bekommt der Film eine fast mythische Dimension.
Darsteller statt Stars – Ein bewusster Vorteil
Was Anthony III auszeichnet, ist gerade das Fehlen von schillernden Stars. Die Schauspieler wirken wie Menschen aus der realen Welt – Archäologen, Wissenschaftler, Beobachter. Dadurch fühlt sich das Grauen greifbarer an. Niemand wirkt „größer als die Geschichte“. Das Böse steht im Mittelpunkt, nicht die Darsteller.
Diese Entscheidung zahlt sich aus: Der Film wirkt ernsthafter, kälter und glaubwürdiger als viele zeitgleiche Produktionen, die versuchten, mit bekannten Gesichtern Aufmerksamkeit zu erzeugen.

VHS-Horror der alten Schule
Anthony III ist ein Film, der eindeutig für die Videothek gemacht wurde. Kein Kinoevent, sondern ein Titel, den man spätabends auslieh, weil das Cover Mystik und Gefahr versprach. Ein Film, der nicht sofort zündet, aber im Gedächtnis bleibt, weil er ein unangenehmes Gefühl hinterlässt.
Heute wirkt er wie ein vergessener Randtitel, der stellvertretend für eine ganze Welle okkulter B-Movies steht, die Anfang der 90er kurz aufblühte.
Fun Facts
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Der Film verbindet nordische Mythologie mit amerikanischem Horror
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Entstand primär für den Heimvideomarkt
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Setzt stärker auf Atmosphäre als auf Schockeffekte
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Typischer Vertreter des frühen 90er-Okkulthorrors
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Heute kaum bekannt, aber bei VHS-Sammlern geschätzt
Fazit – Sperriger Okkulthorror mit VHS-Charme
Anthony III ist kein schneller, moderner Horrorfilm.
Er ist langsam, ruhig, stellenweise spröde – und genau darin liegt seine Stärke. Ein Film für Zuschauer, die Atmosphäre schätzen und bereit sind, sich auf eine ungemütliche Geschichte einzulassen.
Kein Klassiker, aber ein ehrlicher Genrevertreter seiner Zeit. Einer jener Filme, die man nicht wegen einzelner Szenen erinnert, sondern wegen der Stimmung, die sie hinterlassen.

Auf Retro-Film ein Titel aus der Kategorie:
„Vergessenes VHS-Okkultkino, das mehr fühlt als zeigt.“
Retro-Bewertung
⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆☆
6 von 10 alten Runen – langsam, düster, atmosphärisch eigenwillig.
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About the Author
Stefan Retro
Administrator
Seit nun mehr zwei Jahrzehnten habe ich mich den Filmen aus den 50er bis Ende der 90er verschworen. Meine private Filmsammlung wächst stetig und hat mittlerweile eine fünfstellige Zahl erreicht. Sei es VHS, HD DVD, DVD, Blu-ray - bei mir findet alles seinen Platz! Kommt mit auf die Reise in die Vergangenheit!