
In den 60ern boomte der europäische Western – und neben den ganz großen Sergio-Leone-Klassikern entstanden unzählige Genre-Perlen, die heute fast in Vergessenheit geraten sind. Einer dieser unterschätzten Filme ist „Bandidos“ (1967), inszeniert von Massimo Dallamano, der zuvor als Kameramann bei Für eine Handvoll Dollar gearbeitet hatte. Mit packender Rache-Story, coolen Bildern und einem tollen Cast zeigt der Film eindrucksvoll, warum der Italo-Western damals das Kino eroberte.
Handlung – Ein Meisterschütze ohne Hände
Der berühmte Revolverheld Richard Martin (Enrico Maria Salerno) verdient sein Geld als Scharfschütze auf Jahrmärkten. Doch sein Leben wird zerstört, als sein ehemaliger Schüler Billy Kane (Venantino Venantini) während eines Zugüberfalls nicht nur zahlreiche Menschen erschießt, sondern auch Martin die Hände zerschießt.

Jahre später will Martin Rache – doch da er selbst keine Waffe mehr halten kann, bildet er einen jungen Outlaw, Ricky Shot (Terry Jenkins), zu seinem Werkzeug aus. Gemeinsam stellen sie sich Kane und seiner Bande. Der Film wird so zu einer klassischen Rachegeschichte, die geschickt zwischen Mentor und Schüler spielt.
Die Hauptdarsteller – Gesichter des Italo-Westerns
- Enrico Maria Salerno als Richard Martin: Normalerweise bekannt als Charakterdarsteller in italienischen Dramen, zeigt er hier große Präsenz als tragischer Mentor ohne Hände – ein ungewöhnlicher, aber starker Westernheld.
- Terry Jenkins als Ricky Shot: Der junge Revolvermann, der vom Schüler zum Racheengel geformt wird. Jenkins war eher unbekannt, bringt aber jugendliche Frische in den Film.
- Venantino Venantini als Billy Kane: Eiskalter Schurke, dessen Sadismus die Story antreibt. Venantini war ein Vielarbeiter des europäischen Kinos und in unzähligen Genreproduktionen zu sehen.
- Marilù Tolo als Vivien: Eine der schönsten Frauen des italienischen Kinos der 60er, bringt Charme und Tragik in eine Nebenrolle.
- Chris Huerta als Vigonza: Der schwergewichtige Sidekick sorgt für den typisch-ironischen Ton, wie man ihn aus vielen Italowestern kennt.
Stil & Atmosphäre
„Bandidos“ ist visuell stark – kein Wunder, Regisseur Massimo Dallamano war ein begnadeter Kameramann. Die Bilder sind voller Kontraste, harte Nahaufnahmen wechseln mit weiten Panoramen. Der Film steht Leone in Sachen Optik kaum nach, auch wenn das Budget kleiner war.

Die Musik von Egisto Macchi ist weniger eingängig als Morricone, aber verstärkt die düstere Stimmung perfekt. Dazu eine Handlung, die konsequent auf das finale Duell hinarbeitet – klassisches Italo-Western-Handwerk vom Feinsten.
Fun Facts zum Film
- Regisseur Massimo Dallamano war der Kameramann von Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar und brachte diese Erfahrung in „Bandidos“ voll ein.
- Der Film lief in Deutschland nur gekürzt in den Kinos und kam in den 80ern in diversen VHS-Fassungen heraus.
- Enrico Maria Salerno sprach im Original übrigens Clint Eastwood in der italienischen Fassung von Für eine Handvoll Dollar – ein kurioser Zufall.
- „Bandidos“ gilt unter Genre-Fans als „vergessener Leone-Bruder“ – visuell und atmosphärisch ganz nah dran, aber mit eigenem Stil.
Fazit – Ein Juwel des Spaghetti-Westerns
„Bandidos“ ist ein echter Geheimtipp. Kein Film von Sergio Leone, aber einer der besten Italowestern der zweiten Reihe – hart, stilvoll und voller Rache-Pathos. Wer Spaghetti-Western liebt, sollte sich diesen Klassiker unbedingt ins Regal stellen.
Retro-Bewertung
🔫 Rache-Story: ★★★★☆
🎬 Inszenierung & Kamera: ★★★★★
🤠 Kultfaktor: ★★★★☆
👉 Gesamt: 4,5 von 5 Retro-Sternen
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