
Bevor Wes Craven mit Nightmare on Elm Street (1984) zum Star des Horrors wurde, drehte er 1972 einen Film, der damals wie ein Schlag in die Magengrube wirkte: „Das letzte Haus links“ (Original: The Last House on the Left). Ein ultraharter Exploitation-Schocker, der bis heute polarisiert und in der Geschichte des Horrorkinos einen festen Platz hat.
Handlung – Der Albtraum beginnt
Die beiden Mädchen Mari (Sandra Cassel) und Phyllis (Lucy Grantham) wollen einfach nur zu einem Rockkonzert in der Stadt. Doch unterwegs geraten sie in die Fänge einer Gruppe entflohener Sträflinge, angeführt von Krug (David Hess).

Was folgt, ist ein Martyrium: Die Mädchen werden verschleppt, gequält und brutal misshandelt. Schließlich endet ihr Leid im Wald – doch der Horror ist noch nicht vorbei. Denn die Täter suchen später Unterschlupf in einem scheinbar harmlosen Haus – dem Heim von Maris Eltern. Als die erkennen, wer unter ihrem Dach schläft, drehen sich die Rollen: Die Opfer werden zu gnadenlosen Rächern.
Ein Film wie ein Faustschlag
„Das letzte Haus links“ war 1972 ein Schock. Craven setzte auf brutalen Realismus, vermischte dokumentarischen Look mit roher Gewalt und brach alle Tabus. Der Kontrast zwischen der ausgelassenen Hippie-Stimmung der Mädchen und der abgrundtiefen Brutalität der Täter wirkte verstörend.

Das Marketing spielte bewusst mit der Provokation: Der Slogan „To avoid fainting, keep repeating… it’s only a movie…“ („Um nicht in Ohnmacht zu fallen, wiederhole: Es ist nur ein Film…“) machte das Werk noch berüchtigter.
Die Hauptdarsteller – Gesichter des Grauens
- David Hess als Krug Stillo – Der Teufel in Menschengestalt. Hess spielte nicht nur den sadistischen Anführer der Bande, er komponierte auch Teile des Soundtracks. Seine charismatische, abstoßende Darstellung machte ihn zum Kultstar des Exploitation-Kinos (House on the Edge of the Park, Hitch-Hike).
- Sandra Cassel als Mari Collingwood – Das unschuldige Opfer. Cassel spielt die naive Teenagerin, deren Schicksal den ganzen Film trägt. Nach diesem Film zog sie sich weitgehend vom Filmgeschäft zurück.
- Lucy Grantham als Phyllis – Maris beste Freundin. Grantham verleiht der Figur eine rebellische Note, die den Kontrast zu Mari noch stärker macht.
- Jeramie Rain als Sadie – Krugs Freundin, fast ebenso grausam wie er selbst. Sie war mit dem späteren Regisseur Richard Dreyfuss verheiratet.
- Fred J. Lincoln als Weasel – Ein abstoßender Handlanger, der durch seine vulgäre Präsenz den Ekel-Faktor noch verstärkt. Lincoln war später vor allem im Erotikbereich tätig.
- Richard Towers und Cynthia Carr als Maris Eltern – Ihre Wandlung von bürgerlichen Spießern zu eiskalten Rächern ist einer der größten Schocks des Films.
Fun Facts zum Film
- Inspiriert wurde der Film von Ingmar Bergmans Die Jungfrauenquelle (1960), nur dass Craven die Geschichte in die Exploitation-Hölle der 70er verlegte.
- David Hess schrieb und sang mehrere Songs für den Soundtrack – die fröhliche Musik bildet einen krassen Gegensatz zum Gezeigten.
- In Deutschland war der Film jahrzehntelang beschlagnahmt und auf dem Index, nur stark geschnitten erhältlich. Erst in den 2000ern wurde er rehabilitiert und ungekürzt veröffentlicht.
- Trotz seiner Rohheit machte der Film Wes Craven bekannt – ohne ihn hätte es Hügel der blutigen Augen und Nightmare vielleicht nie gegeben.
Fazit – Ein Stück Exploitation-Geschichte
„Das letzte Haus links“ ist kein angenehmer Film. Er ist roh, brutal, teils schwer erträglich. Aber er ist auch ein Meilenstein des Horror- und Exploitation-Kinos, der viele spätere Filme beeinflusste. Ob man ihn hasst oder als Kult verehrt – gleichgültig lässt er niemanden.

Ein Film für harte Retro-Fans, die wissen wollen, wo die Grenzen des 70er-Horrors lagen.
Retro-Bewertung
🔪 Härtegrad: ★★★★★
🎬 Filmische Qualität: ★★★☆☆
📼 Kult- & Skandalwert: ★★★★★
👉 Gesamt: 4 von 5 Retro-Sternen
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