Manchmal gibt es Filme, bei denen man sich fragt, wie sie überhaupt entstehen konnten.
Der Manitou ist genau so ein Fall. Ein Horrorfilm aus den späten 70ern, der ernst gemeint ist, dabei aber so absurd, so kompromisslos seltsam und so frei von Logik wirkt, dass er heute als reiner Kultfilm funktioniert. Und genau deshalb gehört er auf Retro-Film.de.
Hier treffen okkulter Horror, Pseudo-Wissenschaft, indianische Mythologie und knallhartes 70er-Jahre-Kino aufeinander – ohne Sicherheitsnetz, ohne Ironie, ohne Rücksicht.
Die Handlung – Ein Tumor, der keiner ist
Im Mittelpunkt steht Karen Tandy, eine Frau, die unter starken Rückenschmerzen leidet. Ärzte diagnostizieren zunächst einen Tumor im Nackenbereich. Doch schnell wird klar: Das Ding wächst nicht nur ungewöhnlich schnell – es scheint ein eigenes Bewusstsein zu besitzen.
Karens Ex-Freund Harry Erskine, ein Medium mit fragwürdigem Ruf, erkennt früh, dass hier etwas Übernatürliches am Werk ist. Gemeinsam mit Ärzten, Wissenschaftlern und einem indianischen Medizinmann kommt eine ebenso unglaubliche wie verstörende Wahrheit ans Licht: In Karens Körper wächst der Manitou, der Geist eines uralten indianischen Medizinmannes, der wiedergeboren werden will.
Und damit beginnt der völlige Wahnsinn.

Der Film hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Stattdessen steigert er sich immer weiter in bizarre Ideen hinein. Wissenschaft trifft auf Magie, Krankenhausflure auf Dämonenbeschwörung, medizinische Geräte auf spirituelle Rituale. Je weiter der Film fortschreitet, desto klarer wird: Hier gibt es keine Grenzen mehr.
Spannung – Ernsthaft absurd
Die Spannung in Der Manitou entsteht nicht durch klassische Schockmomente. Sie entsteht durch das Gefühl, dass der Film jederzeit komplett entgleisen kann – und es auch tut. Szenen kippen plötzlich von nüchternem Krankenhausdrama in okkulten Horror. Dialoge wirken ernst, obwohl das Gesagte eigentlich unfassbar ist.
Und genau das macht den Reiz aus: Der Film glaubt an sich selbst. Kein Augenzwinkern, kein Humor, keine Distanz. Alles wird mit absolutem Ernst gespielt – selbst dann, wenn ein uralter Geist aus einem menschlichen Rücken herauswächst.
Inszenierung – 70er-Horror ohne Filter
Regisseur William Girdler inszeniert Der Manitou im typischen Stil des späten 70er-Jahre-Horrors: wenig Zurückhaltung, viel Atmosphäre, handgemachte Effekte und eine deutliche Lust an Grenzüberschreitungen. Die Kamera bleibt oft nah an den Figuren, die Effekte sind sichtbar künstlich – aber genau das verleiht dem Film heute seinen Charme.

Der Film lebt von seiner Unmittelbarkeit. Kein Hochglanz, keine Perfektion. Alles wirkt roh, manchmal unbeholfen, aber immer intensiv. Man spürt förmlich den Willen, etwas Einzigartiges zu erschaffen – egal, ob es funktioniert oder nicht.
Tony Curtis – Zwischen Starpower und Wahnsinn
Tony Curtis ist eine der größten Überraschungen des Films. Als Harry Erskine spielt er einen Mann zwischen Scharlatan, Medium und ernsthaftem Helfer. Curtis nimmt seine Rolle erstaunlich ernst und verleiht dem Film dadurch eine gewisse Stabilität – so absurd das Geschehen auch wird.
Seine Präsenz sorgt dafür, dass man dem Film länger folgt, als man eigentlich sollte. Er ist der Anker in einer Geschichte, die sonst komplett aus dem Ruder läuft.
Susan Strasberg – Leid im Mittelpunkt
Susan Strasberg trägt den Film emotional. Ihre Darstellung der Karen ist von Angst, Verzweiflung und körperlichem Leiden geprägt. Sie spielt das Grauen nicht überzogen, sondern still und intensiv. Gerade dadurch wird das Absurde der Handlung noch verstärkt: Während um sie herum der Wahnsinn tobt, bleibt ihr Leid real.
Stella Stevens – 70er-Jahre-Power
Stella Stevens bringt als Ärztin eine starke, selbstbewusste Präsenz ein. Sie steht für die rationale Seite des Films – auch wenn diese zunehmend versagt. Stevens spielt die Rolle mit typischer 70er-Jahre-Energie: direkt, entschlossen, aber letztlich ebenfalls machtlos gegenüber dem Übernatürlichen.

Themen – Glaube gegen Wissenschaft
Unter all dem Wahnsinn steckt ein klassisches Motiv: Wissenschaft gegen Glaube. Der Film stellt moderne Medizin und alte spirituelle Vorstellungen gegeneinander – ohne sich klar zu positionieren. Am Ende versagen beide Systeme gleichermaßen.
Der Horror entsteht nicht nur durch das Übernatürliche, sondern durch die Erkenntnis, dass der Mensch keine Kontrolle mehr hat – egal, wie fortschrittlich er glaubt zu sein.
VHS-Kult und Videotheken-Legende
Der Manitou ist ein Film, der erst durch VHS und Spätabendprogramm seinen Ruf bekam. Ein Titel, den man auslieh, weil das Cover versprach, was der Film dann auch lieferte: kompletten Irrsinn. Einer dieser Filme, die man Freunden beschreibt – und die einem keiner glaubt.
Heute ist er ein Paradebeispiel für ungefiltertes 70er-Horrorkino, das sich nichts verbietet.
Fun Facts
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Der Film basiert auf einem Roman von Graham Masterton
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Die Effekte wurden komplett handgemacht
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Tony Curtis stand dem Projekt zunächst skeptisch gegenüber
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Der Film war bei Erscheinen umstritten
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Heute gilt er als absoluter Kultfilm
Fazit – Irrsinn mit Kultfaktor
Der Manitou ist kein guter Film im klassischen Sinn.
Aber er ist ein unvergesslicher. Ein Horrorfilm, der alles falsch und dadurch alles richtig macht. Völlig überzogen, vollkommen ernst gespielt und ohne jede Selbstironie.
Für manche Zuschauer ist er unerträglich.
Für andere ein Meisterwerk des Wahnsinns.

Auf Retro-Film.de gehört Der Manitou ganz klar in die Kategorie:
Filme, bei denen man sich fragt, wie sie jemals gedreht wurden – und froh ist, dass es sie gibt.
Retro-Bewertung
⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆
7 von 10 wachsenden Manitus – absurd, kultig, völlig einzigartig.
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| Action | |
| Nostalgie |
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