Der Planet Saturn lässt schön grüßen (1977) Wenn der Astronaut schmilzt
Wenn der Astronaut schmilzt – 70er-Sci-Fi trifft Body-Horror in seiner klebrigsten Form
Es war die Zeit, als Science-Fiction und Horror noch Hand in Hand durch den Nebel torkelten: Radiation! Mutation! Schleim!
Und mittendrin dieser herrlich absurde Genre-Mix namens The Incredible Melting Man – in Deutschland mit dem charmant-irreführenden Titel „Der Planet Saturn lässt schön grüßen“ veröffentlicht.
Was als ernstgemeinter Sci-Fi-Schocker geplant war, wurde schnell zum Schleim-Spektakel mit Kultstatus.
Heute gilt der Film als ein frühes Beispiel für Body-Horror im Stil von Cronenberg, nur eben mit mehr Latex, weniger Philosophie – und Special Effects vom legendären Rick Baker!
Handlung – Der Astronaut, der zu viel Sonne abbekam
Astronaut Steve West (Alex Rebar) kehrt als einziger Überlebender einer Raumfahrtmission zum Saturn zur Erde zurück.
Doch irgendetwas stimmt nicht:
Die kosmische Strahlung hat ihn verändert – sein Körper beginnt langsam zu zerfallen und zu schmelzen.

Im Krankenhaus wacht Steve auf, sieht sein entstelltes Spiegelbild und rastet aus.
Er flieht – und hinterlässt eine Spur aus Blut, Schleim und entsetzten Gesichtern.
Während sein Freund, der Arzt Dr. Ted Nelson (Burr DeBenning), verzweifelt versucht, ein Gegenmittel zu finden, verwandelt sich Steve immer weiter in eine tropfende, radioaktive Bestie.
Jede Begegnung endet tödlich, jede Szene klebriger – bis das Monster am Ende buchstäblich zu einer Pfütze aus Menschheit zerfließt.
Ein Drama, ein Ekeltrip, ein melancholischer Abgesang auf die Grenzen der Wissenschaft – oder einfach nur ein Riesenspaß für Fans von VHS-Horror.
Die Hauptdarsteller – zwischen Weltraum und Wahnsinn
- Alex Rebar als Steve West:
Der schmelzende Astronaut. Viel sieht man vom Schauspiel nicht – denn nach zehn Minuten verschwindet sein Gesicht unter Rick Bakers Effektmasken.
Trotzdem schafft er es, Mitleid zu wecken – ein Opfer der Wissenschaft, das zum Monster wird. - Burr DeBenning als Dr. Ted Nelson:
Der verzweifelte Wissenschaftler – mit Karohemd, Telefonhörer und ständigem Stress.
Eine klassische 70er-Figur: mehr Sorgenfalten als Budget, aber mit Herz dabei. - Myron Healey als General Perry:
Der pragmatische Militär, der natürlich alles vertuschen will.
Sein Gesichtsausdruck ist permanent „Wir verlieren die Kontrolle!“ – herrlich oldschool. - Ann Sweeney als Judy Nelson:
Die tapfere Ehefrau, die den Film menschlich erdet, während draußen Leichen schmelzen.
Regie – William Sachs zwischen Vision und Videothek
Regisseur William Sachs (Galaxina, There’s Always Vanilla) wollte ursprünglich einen ernsthaften Science-Fiction-Film drehen – ein existenzialistisches Drama über Identität und Mutation.
Doch das Studio sagte: „Mehr Schleim! Weniger Dialog!“

Also wurde der Film in der Postproduktion komplett umgeschnitten –
was übrig blieb, ist ein bizarrer Hybrid aus Horror, Trash und tragischer Satire.
Man spürt die Ambition: Die Kameraarbeit ist erstaunlich gut, das Pacing manchmal holprig, aber nie langweilig.
Und wenn Rick Bakers Effekte übernehmen, vergisst man jede Schwäche –
denn das Schmelzen sieht heute noch fantastisch grotesk aus.
Die Effekte – Rick Baker’s große Glibber-Show
Bevor Rick Baker für American Werewolf in London den Oscar gewann, schmolz er hier Astronauten.
Und wie!
Das Make-up ist pure 70er-Magie:
blutige Hautfetzen, tropfende Latexschichten, dampfende Wunden – alles handgemacht, ohne CGI, mit echtem Ekelwert.
Besonders legendär:
- die Szene mit der alten Dame und der abgeschnittenen Hand,
- der herunterfallende Kopf in Zeitlupe,
- und natürlich das große Finale, wenn Steve buchstäblich in einem Stromkasten zerfließt – inklusive moralischem Off-Kommentar!
Es ist B-Horror mit A-Effekten – und das macht ihn bis heute sehenswert.
Kritik – Zwischen Tragödie und Trash
„Der Planet Saturn lässt schön grüßen“ ist einer dieser Filme, die man mit einem Grinsen schaut – und sich dabei fragt, warum man das eigentlich genießt.
Er will Horror sein, wird aber zum makabren Comicstrip.
Er will Tragödie sein, landet aber in der Videothek zwischen Piranha II und Das Grauen kommt um Mitternacht.

Und trotzdem:
Die Mischung funktioniert!
Vielleicht, weil der Film ehrlich ist. Weil man spürt, dass hinter all dem Latex ein bisschen Herz und Ambition steckt.
Die Szenen im Labor sind atmosphärisch dicht, das Monster-Design ist grandios,
und die Musik von Arlon Ober liefert das passende Retro-Fieber: zwischen Synthie-Spannung und orchestraler Dramatik.
Fun Facts 🧬
- Der Film kostete gerade mal 250.000 Dollar, davon ging fast die Hälfte in Rick Bakers Make-up-Abteilung.
- In Deutschland lief er ab 1979 in Kinos, später auf VHS von VMP Video – mit dem berühmten blauen Cover und reißerischem Text:
„Er kam vom Saturn zurück – doch was zurückkam, war nicht mehr menschlich!“ - Rick Baker bezeichnete den Film als „meinen ersten richtigen Splatter-Erfolg“.
- Die NASA-Szenen wurden in einem stillgelegten Einkaufszentrum gedreht.
- Regisseur Sachs veröffentlichte 2019 ein Buch über die Produktionsprobleme –
Titel: The Incredible Mess of The Melting Man. - Kult-Status erlangte der Film durch seinen Auftritt in der TV-Serie Mystery Science Theater 3000, wo er liebevoll durch den Kakao gezogen wurde.
Fazit – Schleim, Schreie und Saturnstrahlung
„Der Planet Saturn lässt schön grüßen“ ist Kino aus einer anderen Galaxie – genauer gesagt, aus der Galaxie der 70er-Videotheken.
Er ist zu albern, um wirklich gruselig zu sein, zu eklig, um nur Trash zu sein, und zu charmant, um vergessen zu werden.
Ein herrlicher Mix aus Horror, Sci-Fi und Slapstick – mit mehr Glibber als alle Slime-Toys der 80er zusammen.
Wer The Blob, The Thing oder Body Melt liebt, findet hier den fehlenden Klecks in seiner Sammlung.
🎬 Retro-Bewertung
🧟♂️ Effekte & Make-up: ★★★★★
🎭 Trash-Charme & Unterhaltung: ★★★★☆
🎬 Regie & Atmosphäre: ★★★☆☆
📼 Kultfaktor & VHS-Gefühl: ★★★★★
👉 Gesamt: 4,5 von 5 Retro-Sternen
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