Es gibt Gangsterfilme, die schreien laut nach Aufmerksamkeit – und dann gibt es Die Newton Boys, der sich eher leise anschleicht und seine Geschichte fast schon beiläufig erzählt. Dabei basiert der Film auf einer wahren Geschichte – und zwar auf der der erfolgreichsten Bankräuberbande in der Geschichte der USA.
Die Brüder Newton wachsen in einfachen Verhältnissen auf und rutschen eher zufällig ins Verbrechen. Was klein beginnt, entwickelt sich schnell zu einer professionellen Serie von Bank- und Zugüberfällen. Ihr Markenzeichen: Präzision, Planung und – für Gangsterverhältnisse ungewöhnlich – ein gewisser Ehrenkodex.
Sie vermeiden Gewalt, setzen auf Intelligenz statt Brutalität und steigen dadurch immer weiter auf. Doch je größer die Coups werden, desto größer wird auch das Risiko. Und irgendwann holt sie die Realität ein.
Der Film folgt dabei keinem klassischen Spannungsbogen, sondern eher dem Leben dieser Männer – ihren Erfolgen, ihren Fehlern und ihrem unausweichlichen Fall.
Richard Linklater – Gangsterfilm mal anders
Regisseur Richard Linklater ist nicht gerade der erste Name, der einem bei Gangsterfilmen einfällt – und genau das macht Die Newton Boys so besonders.
Linklater interessiert sich weniger für Action oder spektakuläre Überfälle, sondern für die Figuren. Seine Inszenierung ist ruhig, fast schon entspannt. Die Überfälle wirken oft beiläufig, ohne große Dramatisierung.

Das ist ungewöhnlich – gerade im Vergleich zu Filmen wie Heat oder Casino. Hier geht es nicht um Adrenalin, sondern um Charaktere und Atmosphäre.
Der Film fühlt sich dadurch fast wie ein Blick hinter die Kulissen an – weniger Mythos, mehr Realität.
Matthew McConaughey – charismatischer Anführer
Im Zentrum steht Matthew McConaughey, der als Anführer der Newton-Brüder überzeugt.
Seine Darstellung ist entspannt, fast schon lässig. Kein klassischer Gangsterboss, sondern ein Mann, der eher aus Überzeugung handelt als aus Gier. McConaughey bringt genau dieses Charisma mit, das man braucht, um eine solche Figur glaubwürdig zu machen.

An seiner Seite spielen Ethan Hawke, Skeet Ulrich und Vincent D’Onofrio seine Brüder – und genau dieses Zusammenspiel ist einer der größten Pluspunkte des Films.
Man glaubt ihnen die familiäre Verbindung, die Dynamik, die kleinen Konflikte. Es fühlt sich echt an – und genau das macht den Film so stark.
Zwischen Western, Gangsterfilm und Biografie
Die Newton Boys ist schwer einzuordnen – und genau das ist seine Stärke.
👉 Ein bisschen Western
👉 Ein bisschen Gangsterfilm
👉 Ein bisschen Biografie
Die Landschaften, die Zeit und die Figuren erinnern teilweise an klassische Western, während die Story klar im Crime-Genre verankert ist.

Diese Mischung sorgt für einen ganz eigenen Ton – ruhig, reflektiert und manchmal fast schon melancholisch.
Fun Facts
- Der Film basiert auf den echten Newton-Brüdern, die als erfolgreichste Bankräuber ihrer Zeit gelten.
- Richard Linklater wollte bewusst keinen typischen Action-Gangsterfilm drehen, sondern eine realistischere Darstellung.
- Die Besetzung mit McConaughey und Hawke bringt echtes Star-Potenzial der 90er zusammen.
- Der Film wurde oft unterschätzt, hat aber unter Fans einen gewissen Geheimtipp-Status.
Fazit
Die Newton Boys ist ein ungewöhnlicher Gangsterfilm, der bewusst auf große Action verzichtet und stattdessen auf Figuren und Atmosphäre setzt. Ein ruhiger, aber interessanter Beitrag zum Genre.
Retro-Bewertung
7,5 von 10 Videokassetten
Ruhiger, charmanter Gangsterfilm mit starkem Ensemble und ungewöhnlichem Ansatz.
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