die-toten-augen-des-dr-dracula-1966

Die toten Augen des Dr. Dracula (1966)

die-toten-augen-des-dr-dracula-1966

Handlung

Der Arzt Paul Eswai wird in ein kleines Dorf gerufen, wo sich in letzter Zeit mysteriöse Todesfälle ereigneten. Während Eswai glaubt, dass das jüngste Opfer schlicht Selbstmord begangen hat, sind die abergläubischen Dorfbewohner der Ansicht, dass der Geist eines toten Kindes für das ganze Unheil verantwortlich ist. Die Spuren führen Eswai schließlich auf das geheimnisvolle Schloss der Baronesse Graps. Dort muss er feststellen, dass die Dorfbewohner mit ihrem Glauben an dunkle Mächte offenbar gar nicht so falsch lagen…

Kritik

Man merkt stets frappierend, dass Mario Bava gelernter Kameramann war, bevor er in den Sechzigern zum Gruselpapst Italiens emporstieg. STYLE-OVER-SUBSTANCE, als abgedroschene Phrase häufig missbraucht, findet auch in vorliegendem Werk nur bedingt Ausdruck, denn Bava zieht den Zuschauer vor allem optisch & orchestral in seinen Bann. Licht und Schatten werden nahezu perfekt genutzt, für die schwindelerregenden Einstellungen, die mit absoluter Hingabe gewählten Blickwinkel, die satten und opulenten Farbkontraste und dem sowieso untrüglichen Gefühl, einen Film wie ein Gemälde vor sich zu haben. Der melodramatische und markerschütternde Score von Carlo Rustichelli entführt in ein atmosphärisches Setting, das, im Genrekontext, seinesgleichen sucht. Sowieso wird die herzlos-sinnfreie und entlarvend-profitorientierte Überleitung des Titels in das eingedeutschte DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA dem Streifen mitnichten gerecht.

die-toten-augen-des-dr.-dracula-1966-horror-kritik

Man wollte wohl auf der damaligen Erfolgswelle der britischen HAMMER-Produktionen mit schwimmen, dabei entwertet sich jedoch leider die hoch verdiente Gunst des Alleinstellungsanspruchs, welche der Film hingegen verdient. “HAMMER auf LSD” möchte man überspitzt ausspeien, denn der Rausch der psychedelischen Alptraum-Bilder nimmt einen völlig gefangen, wenn man für diesen Aspekt nostalgischer Filmkunst empfänglich ist, denn solch ein Werk muss man mit allen Sinnen erleben, anstatt sich bloß stumpf berieseln zu lassen. Nichtsdestotrotz hätte der Plot noch Detail,-& wendungsreicher gestaltet werden können, zumal sich, gerade im mittleren Segment, deutliche Längen offenbaren, d.h., es wurde sich zu lange und gemächlich auf der Storyline um das ungleiche Duell (ABER)GLAUBE VERSUS WISSENSCHAFT ausgeruht, was die eigentliche Mordermittlung der Ordnungsmacht zur Nebensächlichkeit verkommen ließ.

die-toten-augen-des-dr.-dracula-1966-horror-kritik

Spannungsspezifisch ein fataler Lapsus, denn plot-twistige Irrwege à la SHERLOCK HOLMES hätten der durchaus interessanten, verzwickt-tragischen Familiengeschichte der GRAPS’es noch mehr Tiefe und Würze geschenkt, und dadurch letztlich sinnstiftendere Relevanz im Bezug auf den übernatürlichen Killer im Mädchenkleid geliefert. Apropos: Mehr Qual, mehr Blut, und vermehrt-explizite Todessequenzen hätte(n) es schon sein dürfen, auch in Relation zur Entstehungszeit. Sei es d’rum, OPERATION ANGST (OPERAZIONE PAURA) gelungen! MISSION ACOMPLISHED, Monsignore Bava!

Medien

“Die toten Augen des Dr. Dracula” ist auf VHS, DVD sowie auf Blu-ray erschienen. Alle VHS Auflagen sind nur gekürzt erschienen. Die DVD und Blu-ray Versionen sind komplett ungeschnitten mit einer Freigabe von FSK 16 erhältlich. Empfehlenswert sind die Auflagen aus dem Hause “Anolis” und “Koch Films”, zudem dürfte die Mario Bava Horror Collection für viele interessant sein.

Trailer

Amazon

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.