Eine Fledermaus stellt sich den Verbrechern – Batman (1989)

Eine Fledermaus stellt sich den Verbrechern - Batman (1989)

Handlung

Gotham City erstickt in einem Sumpf aus Korruption und Verbrechen, und nur ein Mann stellt sich der Gefahr: Batman, der dunkle Ritter in dem Fledermaus-Cape. Die Reporterin Vicky Vale wittert eine heiße Story, und will die Identität des mysteriösen Kämpfers für das Gute aufdecken. Doch Batman hat andere Probleme: Er ist Joker auf den Fersen, der die Macht in Gothams Unterwelt an sich reißen will …

Kritik

New York, 1939

Der junge und professionell unerfahrene, erst 24,-jährige Comiczeichner Robert Kahn ersinnt die Vorlage eines maskierten Helden, in Form einer Art DUNKLEN RITTERS, der in der fiktiven U.S.-Metropole GOTHAM CITY gegen die Unterwelt und für Gerechtigkeit, auch außerhalb der meist nicht fairen Rechtsprechung, kämpft.
Das Comiclabel DC wird auf den Entwurf aufmerksam und stellt dem zeichnenden Novizen, der sich fortan Bob Kane nennt, den Autor Bill Finger zur Seite.
Gemeinsam führen sie den MANN OHNE FURCHT [THE CAPED CRUSADER; weitere, nachfolgende Adaption: THE DARK KNIGHT], welcher kurze Zeit später seinen wohl bekanntesten Namen erhalten sollte, in eines der bis heute weltweit erfolgreichsten Franchise ehrenvoll-geliebter Superhelden.
BATMAN ist geboren.
Eine Fledermaus stellt sich den Verbrechern - Batman (1989)
New York, 1980, °ComicCon
Das Produzentenduo Michael Uslan und Benjamin Melniker startet auf dieser riesigen Convention eine beeindruckende Promo. Dabei verneigen sie sich stilistisch deutlich vor der ernst-düsteren Vorgabe des einstigen Schöpfergespanns Kane/Finger, denn BATMAN war eben diese Attitüde in den 1960er Jahren abhanden gekommen, als erstmalig bewegte Realbilder das Thema Klamauk artig und Slapstick-witzig interpretierten. Diese Adaption, mit Adam West in der Rolle des Flattermannes, war zwar im weltweiten Fernsehen und noch einmal als Spielfilm ikonisch-erfolgreich, entsprach jedoch nicht der Vision Bob Kanes, vom zwischen melancholischer Ego-Zerrissenheit und unerbittlichem Schattenkriegertum schwankenden (Anti-)Helden.
London, 1987
Es sollten, hier ersichtlich, noch einige Jahre vergehen, bis Uslan & Melniker das bis dato einzige und hoch budgetierte Real-Release, genannt BATMAN auf den Weg bringen konnten. Dazu mutiert das riesige, britische Außen Studio durch gigantisch-beeindruckende Avantgarde-Gothic-Bauten, späterhin OSCAR-prämiert, zum düsteren Moloch GOTHAM und wird, durch eine gewaltige Herr Schar von Statisten, welche die in z.T. aufwendig-opulente Steampunk-Kostüme gehüllten Bewohner darbieten, zum emotional-pulsierenden Leben erweckt.
Die Wahl des Regisseurs ist vorrangig diesem o.a. NeoNoir-Stil geschuldet, denn niemand Anderes als der noch kaum bekannte, blutjunge “schaurige Märchenerzähler” Tim Burton wird von den Produzenten gecastet, welche wiederum von Bob Kane und einem gewissen STAN LEE, jeweils im CREDITS-Status, aktiv beraten werden.
Ausgerechnet Stan Lee, der spätere “GODFATHER” von MARVEL, DC’s ewig-schärfsten Konkurrenten, ermutigt die BATMAN-Macher immer wieder und wieder, ein kommerzielles Wagnis einzugehen, ähnlich wie bei dem Endsiebziger-Projekt SUPERMAN. Diese Realverfilmung, mit Christopher Reeve als DER STÄHLERNE, erzielte eine knappe Dekade zuvor bereits BOX OFFICE – Erfolge, verglichen mit den geringeren Produktionskosten.
Burton’s BATMAN sollte hingegen jedes bis dato in diesem Genre aufgewandte Budget sprengen, denn auch die überbordenden Stunteinlagen, die phantastischen Vehikel, allen voran das ikonisch-futuristische BATMOBILE, nebst spektakulärem Fluggleiter BATWING, und der fein abgestimmte, sowie absolut bis in die Nebenrollen top besetzte, Spitzencast zollten monetären, aber letztlich “goldrichtigen” Tribut, denn BATMAN wird zum Kassen,-& Marketing-Hit.
Kim Basinger stößt als Letzte zum Hauptcast und ersetzt die Erstbesetzung der “Milliardärs-Liebelei”, Sean Young, welche tragischerweise kurz vor der Post-Production krankheitsbedingt ausscheiden musste.
Eine Fledermaus stellt sich den Verbrechern - Batman (1989)
So übernimmt das Ex-Bond-Girl Kim die Rolle der Reporterin Vickie Vale – und harmoniert prächtig mit dem Hauptdarsteller, welcher ausgerechnet die größte Casting-Kontroverse unter den Verantwortlichen auslöst:
Nach einigen Gedankenspielen und Vorsprechen mit überwiegend aktuellen Actionstars härterer Gangart, fällt die Entscheidung auf Michael Keaton. Für die Produzenten bleibt es bis zum Drehschluss ein risikobehaftetes Wagnis, war Keaton doch bisher durch eher komödiantische oder romantisierte Rollen bekannt geworden. Regisseur Tim Burton kann sich jedoch schließlich mit seinem Wunschkandidaten durchsetzen, denn Michael Keaton verhalf ihm schon als LOTTERGEIST BEETLEJUICE zu einem ersten Achtungserfolg, womit dieser ebenfalls schon beweisen konnte, dass ihm die maskenbehaftete Real-Adaption eines Comic,- & Zeichentrick-Charakters überleitend gelingt, ohne das Ganze der Lächerlichkeit preiszugeben. Ganz im Gegenteil: Michael Keaton schafft es, dem High-Society-Mitglied Bruce Wayne eine Art melancholisch-unnahbare, klischeefreie Versnobbtheit zu schenken, gesegnet mit unaffektiertem Understatement und leisem, trocken-charmanten Humor. Konträr dazu schafft er die charakterlich-vereinende Balance zu DEM dunklen, wortkargen, mit beeindruckender Körperlichkeit ausgestatteten Rächer namens BATMAN.
Die allerletzte Entscheidung für Michael Keaton trifft der gealterte “VATER DER FLEDERMAUS”, Bob Kane, welcher überzeugt wurde, als er zum ersten Mal Michael im Komplettkostüm und in einer Actionsequenz bestaunen durfte:
“Es waren seine Augen! Seine Augen unter der schwarzen Maske, dieser stechende und unerbittliche Blick, zugleich gezeichnet von einem Hauch traurigen Glanzes.”
Billy Dee Williams (Lando aus STAR WARS) gibt den aufstrebenden Staatsanwalt Harvey Dent, ROLLING STONE Mick Jagger’s Freundin Jerry Hall ist mit von der Partie, genauso wie die HOLLYWOOD-ALTSTARS Michael Gough als Bruce Wayne’s berühmter Butler Alfred, und Jack Palance als strauchelnder Gangsterboss, der sich früh im Film der cineastischen Geburtsstunde eines der berühmt-berüchtigsten Comic-Villains beugen muss:
“Hey, Junge! Hast du schon einmal, im blassen Mondlicht, mit dem Teufel getanzt?”
*Jack Napier zum jungen Bruce*
Eingebettet in eine BATMAN-ORIGINS-STORY, wird aus dem narzisstischen Unterwelt-Killer Jack Napier der teuflisch-größenwahnsinnige JOKER, mit dem markanten Dauergrinsen. Jack Nicholson, von Anfang an die Wunsch,- & Idealbesetzung aller Beteiligten, wobei Uslan & Melniker ihn seit seiner 1980er-SHINING-Performance unbedingt wollten und Gene Hackman (LEX LUTHOR in SUPERMAN) ihn durch Stan Lee und Bob Kane empfehlen ließ, trägt mit einzigartiger Raffinesse, ikonischer Mimik und Gestik, sowie fast schon in gruseliger Verschmelzung aufgehendem “Method-Acting” die Rolle seines Lebens.
Nicholson ist DER, aus mafiösen Strukturen abartig-mutierte, MOBSTER-Verschnitt des BÖSEN CLOWNS, wobei sich Vergleiche mit anderen Darbietungen dieses Ur-Villains grundsätzlich erübrigen, da jeweils völlig andere Interpretationen zugrundeliegend. [Zu diesem Thema wird der Verfasser dieser Zeilen noch einmal in einem gesonderten Artikel Stellung beziehen…]
Nicholson IST der JOKER!
Der JOKER ist geboren.
Eine Fledermaus stellt sich den Verbrechern - Batman (1989)
Der stets bedrohlich-bombastische, orchestrale Score des Films verbindet sich mit optimal passenden Songs von Popstar PRINCE, wodurch manche Szenen fast schon wie ein düsteres Musical in theatreskem Gewand wirken, und den letztlich essentiellen Zweikampf der ewigen Rivalen von “GUT & BÖSE” zu einem audiovisuellen Gesamtkunstwerk machen.
“Du bist mein Produkt! Und ich bin deins!”
*BATMAN zum JOKER, im ENDKAMPF*
Los Angeles, 1989
Tim Burton’s BATMAN feiert Hollywood-Premiere, als primär-gelungene Prachtadaption und Real-Film einer Comicvorlage. Düster und opulent. Schicksalhaft und Tragik-komisch. Feudal und märchenhaft. Erstmalig und bis heute einzigartig.
Stolz und zu Tränen gerührt, schreitet der 74,- jährige Bob Kane, gemeinsam mit seiner Frau, über den roten Teppich, lächelt verzückt, dreht und verbeugt sich leichtfüßig und beschwingt wie ein junger Mann – dessen Lebenswerk und visionärer Traum einer Real-Adaption endlich Wirklichkeit wurden.
R.I.P., Bob Kane (1915 – 1998)

Medien

BATMAN von 1989 ist auf VHS, DVD sowie auf Blu-ray in den unterschiedlichsten Auflagen im Handel mit einer FSK Freigabe von 12 erhältlich.

Trailer

Amazon