Kritik: Amok Train – Fahrt ins Nichts (1989)

Kritik: Amok Train - Fahrt ins Nichts (1989)

Kritik: Amok Train - Fahrt ins Nichts (1989)

Eine kleine Gruppe amerikanischer Studenten macht eine Klassenfahrt nach Jugoslawien, unter ihnen auch Beverly, die von niemandem so richtig akzeptiert ist, weil sie sich immer abkanzelt. Beverly ist noch Jungfrau und hat hier im Lande Vorfahren. Überhaupt benehmen sich alle Leute hier sehr merkwürdig und als plötzlich ihre Hütte in Flammen aufgeht, müssen sie erkennen, daß man ihnen an den Kragen will. Sie versuchen aus der Einöde zu fliehen und springen auf einen fahrenden Zug auf. Hier wird ihnen langsam klar, worum es geht: Beverly ist auserkoren, die Braut von Luzifer, dem Prinzen der Dunkelheit zu werden. Grund genug also, um lieber zu verschwinden, doch dies ist unmöglich, da der Zug, in welchen die Studenten gesprungen sind, nicht mehr zu stoppen ist und durch das Land rast.


In den nächsten Minuten wollen wir uns dem Film “Amok Train – Fahrt ins Nichts” (Originaltitel: “Beyond the Door III”) aus dem Jahr 1989
widmen. Dieser Horrorfilm stellt eine Gemeinschaftsproduktion zwischen den USA, Italien, Niederlande und dem damals noch existierenden
Jugoslawien dar. Wieso der Titel im Original den Zusatz “III” beinhaltet, ist leider gänzlich unbekannt, denn es gibt keine vorherigen Teile von diesem Film, die das rechtfertigen würden. Der
Regisseur des Films war Jeff Kwitny, und es war sein zweiter Film. Die anderen drei Werke aus seiner Filmographie sind hierzulande recht unbekannt – lediglich sein Erstling mit dem Titel “Iced – Der Tod auf Skiern” von 1988, erlebte in Deutschland ein Release auf VHS.

Eine Klassenfahrt mit anderen Studenten kann doch interessant und aufregend werden. Das dachte sich wohl auch eine kleine Gruppe, die sich auf die Reise nach Jugoslawien machte. Innerhalb der Gruppe gibt es Beverly – zurückgezogen, schüchtern und immer noch Jungfrau. Sie verbindet mit der Fahrt ein ganz besonderes Anliegen und möchte ihre Verwandten besuchen, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Kaum angekommen steht schnell fest: Irgend etwas stimmt hier nicht. Viele Einheimische verhalten sich merkwürdig, und als auch noch ihre Hütte
in Flammen aufgeht, ahnt die Gruppe, dass ihnen jemand nicht gerade freundlich gesonnen ist. Sie versuchen aus der Einöde zu fliehen und springen auf einen fahrenden Zug auf. Doch anstatt dem Unheil zu entkommen, befinden sie sich nun mittendrin. Beverly scheint eine auserkorene Frau von Luzifer zu sein. Doch eine Flucht scheint schier unmöglich.

Schon zu Beginn des Films bekommt der Zuschauer eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen von weiten Landstrecken und vielen kleinen Dörfern geboten. Hinzu kommt noch, dass die Gespräche der Einheimischen in der Originalsprache belassen und für die Zuschauer untertitelt wurden – was dem Film zusätzliche Atmosphäre und Realismus verleiht. Der Zuschauer kann sich sehr gut in die Lage der Gruppe in einem fremden Land hinein versetzen und das Gefühl der Hilflosigkeit macht sich breit. Untermalt werden vor allem solche Szenenabfolgen durch einen wohl klingenden Score. Anstatt wirre Synthesizersounds, wurde hier auf Musikinstrumente gesetzt, was insgesamt sehr stimmig wirkt. Der Handlungsstrang ist leider etwas zäh und zieht sich stellenweise doch sehr in die Länge. Die Unterhaltungen innerhalb der Gruppe bringen dem Zuschauer kaum nennenswerte Aspekte und sind für den Handlungsverlauf bedeutungslos. Auch sollte man sich nicht zu sehr auf Wendungen und Überraschungen verlassen, denn die sind, während der gesamten Zugfahrt, so gut wie nicht zu entdecken. Aufgelockert werden solche Passagen durch ein paar sehenswerte
Splattereinlagen. Diese sind zwar nicht so gut und drastisch wie bei Tom Savini ausgefallen, aber durchaus erträglich. Hier fließt der rote Lebenssaft ganz gut in Strömen, und auch die Zerteilung eines Körpers durch den Zug ist ganz amüsant zu betrachten. An dieser Stelle sei jedoch noch zu erwähnen, dass das Bild der DVD vom Label “Dragon” recht dunkel gehalten ist, und man nur schwer die härteren Szenen erkennen kann. Die VHS, die mir als Rezensionsmuster vorlag, weist da ein deutlich helleres Bild auf.

Für Trash-Liebhaber, die auf Logik pfeifen, hat der Streifen allerdings einiges an Potential auf Lager. Dazu zählen vor allem Anschlussfehler und die preisgünstige Tricktechnik, derer sich hier
bedient wurde: da bekommt der Zuschauer schon einmal eine Modeleisenbahn vorgesetzt, die querfeldein durch das Gelände fährt, ein Auto zur Explosion bringt und in der nächsten Einstellung sieht alles so aus, als wäre nie was passiert.

“Amok Train” ist aufgrund diverser Makel nur ein eher durchschnittlicher Film. Die Story ist oft wirr und in die Länge gezogen. Schauspielerisch agieren alle durchaus überzeugend und
motiviert, aber um den Streifen zu retten, reicht es leider nicht aus. Bis zum Finale sollte man sich in Geduld üben und Nerven aus Stahl haben. Für Trash-Fans sicherlich eine Sichtung wert, der reine Horror-Liebhaber wird sich jedoch schnell langweilen. Man kann halt aus Sch… kein Gold machen – und wenn man sich noch so anstrengt.

Wer jedoch für “Amok Train” seine kostbare Lebenszeit opfern kann und möchte, kann ihn sich auf VHS, DVD oder sogar als BR ins Haus holen. Die Version von VPS auf DVD ist gekürzt. Die DVD von “Dragon” hat ein schwaches Bild. Und wer sich die Blu-ray holen möchte, bekommt obendrein noch ein schickes Mediabook für das DVD-Regal spendiert, oder greift zur Amaray.


 

Stefan Retro

Stefan Retro

Seit nun mehr zwei Jahrzehnten habe ich mich den Filmen aus den 50er bis Ende der 90er verschworen. Meine private Filmsammlung wächst stetig und hat mittlerweile eine fünfstellige Zahl erreicht. Sei es VHS, HD DVD, DVD, Blu-ray - bei mir findet alles seinen Platz! Kommt mit auf die Reise in die Vergangenheit!

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