Rauhe Abenteuer für Liebhaber – Das Schiff der Verurteilten (1953)

Das Schiff der Verurteilten (1953)

Student Hugh Tallant wird zu lebenslanger Verbannung verurteilt und mit einem Schiff nach Australien deportiert. An Bord macht Kapitän Gilbert den Gefangenen das Leben zur Hölle. Tallant und Gilbert werden zu erbitterten Widersachern.


Wem der Plot bekannt vorkommt, liegt höchstwahrscheinlich goldrichtig, denn die Autoren von BOTANY BAY – DAS SCHIFF DER VERURTEILTEN, Jonathan Latimer (Screenplay) und Charles Nordhoff (literarische Vorlage), zeichneten sich auch für den berühmten Klassiker MUTANY ON THE BOUNTY [MEUTEREI AUF DER BOUNTY] verantwortlich.

Dem Qualitätsanspruch der beiden bekanntesten BOUNTY-Romanverfilmungen von 1935 und 1962 wird John Farrow’s Abenteuerfilm zwar nicht gerecht, trotzdem hält BOTANY BAY für den geneigten Fan von altem “Seemannsgarn” so Einiges bereit. Es wird geflucht und gepeitscht, es gibt Einzelhaft unter Deck, bei Wasser und Brot, und auch das barbarische “Kiel holen” von Aufsässigen wird dramatisch zelebriert. Zudem halten Pest und Skorbut Einzug auf dem stolzen, britischen Handelsschiff.
Farrow scheute sich auch schon Anfang der Fünfziger nicht, kontrovers zu provozieren, denn auch vor drohender Lebensgefahr durch die Folter der stockdunklen, nasskalten Isolation eines erst zwölfjährigen Junghäftlings schreckt er nicht zurück, genauso wie vor einer mitnichten kausalen Dreiecksliebelei zwischen der weiblichen Hauptdarstellerin und den beiden männlichen Rivalen, deren Omnipräsenz und, mit Abstand, ausgefeilteste Charakterzeichnung den Streifen zu einem psychologischen, und erst ganz am Ende physiologischen, Zweikampf degradieren, wo letztlich alles und jede(r) Andere als “schmückendes Beiwerk” unterjocht wird.
Das Schiff der Verurteilten (1953)
Nicht nur das wurde in den BOUNTY-Adaptionen besser, weil breiter und vielschichtiger, angelegt. BOTANY BAY muss sich eben an der sehr ähnlich situierten Storyline messen lassen, obgleich sogar der dritte und letzte Akt, welcher Ankunft und (Zwangs-)Aufenthalt im neuentdeckten Australien zeigt, unverkennbare Parallelen zur BOUNTY aufweist, nämlich in Sachen faschistoid-hierarchisch absteigender Sozialkritik (Alleinherrschender Kapitän > Offiziere > Mannschaft > (Häftlinge) > Eingeborene) und mitunter zynisch-kontragebürsteter Kolonialisierungsschelte.
Zurück zur Essenz beider Vergleichsmodelle: Wo in den Dreißiger Jahren Charles Laughton (Cpt. Bligh) und Clark Gable (Fletcher Christian) annähernd auf Augenhöhe die “BOUNTY bespielten”, ließen sich Trevor Howard (Bligh) und Marlon Brando (Christian) darstellerisch-kongenial kaum “die Luft zum Atmen”, was homogenes “Method- & Overacting” von HELD & VILLAIN im NEW NEW HOLLYWOOD auf eine neue Stufe der Extraklasse katapultierte.
Das Schiff der Verurteilten (1953)
In BOTANY BAY gibt James Mason schon ordentlich fies-sadistisch und durchtrieben Gas, verliert aber, als etwas zu brave BLIGH-Kopie, deutlich gegen beide Obengenannten.
Alan Ladd muss man zu Gute halten, dass sein Charakter des ruhigen und besonnenen, sowie zu Unrecht verurteilten Medizinstudenten konträr zu der maximal extrovertierten Figurenzeichnung eines FLETCHER CHRISTIAN steht, jedoch unterliegt er signifikant, im schauspielerischen Duell mit dem fachlich versierteren Mason, der vor allem in Sachen Mimik und emotional-plötzlicher Wandelbarkeit den eher blassen und hölzern-agierenden Ladd aussticht.
Das Schiff der Verurteilten (1953)
Nichtsdestotrotz pendelt sich BOTANY BAY im guten Mittelfeld der “Abenteuerfilme zur See” ein, in prachtvollem *Technicolor und mit schmetternd-orchestralem Score zu kraftvollen, rauen Szenerien, entstand ein kurzweiliger Spaß für regnerische Sonntagnachmittage auf der Couch, wo es für die ganze Familie vielleicht auch einmal solch’ alte Nostalgie-Schinken sein dürfen.