Spaniens Horror-Ikony Paul Naschy – Die Stunde der grausamen Leichen (1973)

Die Stunde der grausamen Leichen (1973)

Der leicht einfältige, buckelige Gotho arbeitet in der Leichenhalle des Krankenhauses von Feldkirch. Seine einzige Freundin ist ein krankes Mädchen, das schließlich stirbt. Als zwei Angestellte ihren Schmuck stehlen wollen, tötet Gotho sie. Er versteckt die Leiche des Mädchens in den Katakomben unter dem Krankenhaus und schließt einen Pakt mit dem sich ebenfalls dort aufhaltenden Arzt Dr. Orla: als Gegenleistung für von Gotho gelieferte Leichenteile und lebende Opfer wird Orla versuchen, das Mädchen wieder zum Leben zu erwecken.


Ein Buckliger will die einzige Frau, die ihn gemocht hat, zum Leben erwecken und schließt sich daher mit einem Professor zusammen, der an der Erschaffung künstlichen Lebens werkelt. Hierfür braucht der Wissenschaftler jedoch Körper, anfangs tote, später lebende, die ihm der Bucklige organisiert, doch die Polizei ist dem Treiben auf der Spur und mit der erschaffenen Kreatur ist auch nicht gut Kirschen essen und so spitzt sich die Lage zunehmend zu.

Die Stunde der grausamen Leichen (1973)

Irgendwie ist der Kult um dieses Werk mit der spanischen Horrorfilmlegende Paul Naschy in der Hauptrolle komplett an mir vorbeigegangen und so komme ich dank der überaus liebevoll gestalteten und üppig ausgestatteten DVD aus dem Hause Anolis nun erstmalig in Kontakt mit diesem Film. Die Geschichte vereint Horror, Trash, Tragik und Romantik auf gelungene Weise miteinander, wobei natürlich Ähnlichkeiten zu Frankenstein und dem Glöckner von Notre Dame nicht zu übersehen sind. Langweilig wird’s jedenfalls zu keiner Zeit, denn ständig ist etwas los.

So gibt es zum Beispiel hungrige Sprungratten, eine körperauflösende Säuregrube und ein zügig von Reagenzglas- auf Menschen Größe wachsendes künstliches Wesen zu begutachten und selbst die ruhigeren Liebesszenen sind gelungen, auch wenn sie nicht über den Charme von Groschenheftniveau hinausgehen. Atmosphärisch werden viele dichte Szenen geboten, wobei besonders erwähnenswert die Passagen in den Katakomben sind, die ein gelungener Schauplatz sind und den Film nachhaltig prägen.

Die Stunde der grausamen Leichen (1973)

Auch die Musik unterstützt die Athmo. Etwas unsauber sind dagegen einige Szenenübergänge, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch, ebenso wenig wie die stellenweise unterirdischen und unfreiwillig komischen Dialoge. Die Darsteller liefern solide Leistungen ab, wobei Paul Naschy den größten Teil des Lobeskuchens verdient hat, denn ihm gelingt es den von vielen gedemütigten, aber im Inneren herzensguten Buckligen, der nur durch seine abgrundtiefe Liebe zu einer Frau und dem Herangeraten an eine falsche Person zu einem Leichenbesorger/Mörder wird, glaubhaft rüberzubringen und die Sympathien des Zuschauers auf seine Seite zu ziehen. Blutgehaltsmäßig erreicht man hier ebenfalls einen ordentlichen Pegel und die Darstellungen von abgetrennten Gliedern und Tötungen sind für einen spanischen Film aus den 70ern relativ derbe ausgefallen, aber so übertrieben dargestellt, dass man drüber schmunzeln kann. Insgesamt ist dies ein erstaunlich vielseitiger Mix aus Horror, Trash, Liebesgeschichte und Drama, etwas Gore, der Spaß macht und in der Edition von Anolis eine grandiose Umsetzung gefunden hat.