“Die Verrohung des Franz Blum” die beste deutsche TV-Produktion der 70s

Die Verrohung des Franz Blum (1974)

Die Verrohung des Franz Blum (1974)

Franz Blum muss wegen eines Banküberfalls fünf Jahre hinter Gitter. Zunächst gelingt es ihm schwer, sich in der harten Gefängniswelt durchzusetzen. Vor allem der brutale Insasse Kuul hat es auf Blum abgesehen. Doch Blum durchschaut die Machtspiele, eignet sich ihre Methoden an und erkämpft sich auf diese Weise seinen Platz in der Hackordnung der Haftanstalt.


Eigentlich sollte Burkhard Driest auf dem Filmplakat dieses Knastdramas prangen, doch er überließ Jürgen Prochnow die Hauptrolle in Reinhard Hauffs Siebziger-Werk über einen jungen Mann aus gutem Hause, der erst im Gefängnis wirklich zum rücksichtslosen Verbrecher wird.

》Franz Blum muss wegen eines Banküberfalls fünf Jahre hinter Gitter. Zunächst gelingt es ihm schwer, sich in der harten Gefängniswelt durchzusetzen. Vor allem der brutale Insasse Kuul hat es auf Blum abgesehen. Doch Blum durchschaut die Machtspiele, eignet sich ihre Methoden an und erkämpft sich auf diese Weise seinen Platz in der Hackordnung der Haftanstalt.

Der kontroverse und aufrührerische Streifen zeigt den harten und bisweilen trostlosen Knastalltag Anfang der Siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutschland, authentisch und sehr nah an den allesamt glaubhaften Charakteren.

Homoerotische “Freundschaften” werden als machtspezifisch-hörige Abhängigkeiten demaskiert, Deals und Gefälligkeiten lassen Gruppenzugehörigkeiten entstehen, deren dynamische Haltbarkeit so fragil ist, wie das moralische Grundverständnis von Wärtern oder gar dem Gefängnisdirektor. Die Themen Mobbing, Folter (psychisch wie physisch), Suizid, Erpressung und, wie oben erwähnt, fatale und alternativlose Gruppendynamik werden stringent und schnörkellos abgearbeitet. Dies erinnert mitunter an die Arbeiten Rainer Werner Fassbinders, obgleich dieser die Geschichte vielleicht noch verschachtelter und undurchsichtiger gestaltet hätte, weshalb der Film an diese Qualitätsstufe nicht ganz heranreicht, von der artverwandten Machart jedoch absolut vergleichbar ist.

Die Verrohung des Franz Blum (1974)

Der Film ist zutiefst destruktiv, wenn jeweils kurz ein “Pflänzchen” der Hoffnung und lebensbejahenden Zuversicht aufkeimt, wird so etwas meist in der Folgeszene zertreten. So muss der, während des gesamten Streifens im Fokus stehende, bemitleidenswerte und titelgebende Hauptcharakter proportional ansteigend erkennen, dass er als freies und frei agierendes Individuum kaum eine Chance hat, seine Haftzeit unbeschadet zu überstehen. Vielmehr wird Blum nach und nach dazu gezwungen, sich den hierarchischen Strukturen und deren unausweichlichen, folgenschweren Kettenreaktionen anzupassen.

Burkhard Driest lieferte autobiographisch Zutaten und Rezept für diese “bittere Gefängnissuppe”, überfiel er doch, in der Realität, kurz vor seinem mündlichen Jura-Examen eine Bank – und wurde erwischt, woraufhin er einige Jahre im Zuchthaus landete. Mit diesem Film, in dem er auch eine Rolle als “härtester Knastschläger” einnimmt, verarbeitete Driest seine Zeit hinter Schloss und Riegel und prangerte gleichzeitig, gesellschafts,- & sozialkritisch, den deutschen Strafvollzug zur damaligen Zeit an, indem er Resozialisierungskonzepte als nicht funktional entlarvte, wenngleich in der Ausführung etwas übertrieben und klischeehaft verarbeitet.

Trotzdem ergeben Setting, Schauspielerleistung und gelungene Athmossphäre ein überaus sehenswertes Gesamtbild deutscher Filmgeschichte.


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