THE WHO mit Ihrer Rockoper – Tommy (1975)

Tommy (1975)

Weil ihr Mann im Zweiten Weltkrieg verschollen ging, muss Nora Walker ihren neugeborenen Sohn Tommy alleine groß ziehen. Tommy endwickelt sich prächtig, bis er eines Nachts Nora mit “Onkel” Frank im Bett erwischt und taubstumm und blind wird. Alle Versuche der Heilung scheitern, doch als Tommy eines Tages einen Flipperautomaten entdeckt, entpuppt er sich als wahres Talent an dem Gerät. Er wird Flipper-Weltmeister, kann sich selbst heilen und wird von zahllosen Anhängern als neuer Messias verehrt.


“Tommy”, von Ken Russell und der Rock-Band “The Who”, ist der Hippie-Film, den die Hippies nie gedreht haben.
Nonchalantes Seventies-Ambiente trifft auf abgedrehte Härte mit beißendem Humor und unmissverständlicher Attitüde.
Die Grenzen des so genannten, “guten Geschmacks” werden brachial aber immer mit einer psychedelisch-frivolen Note eingerissen, dabei ist “Tommy” vielmehr eine zynisch-metaphorische Selbstreflexion von “The Who’s” eigener, kometenhaften Karriere und den Schattenseiten von Ruhm, Macht und monetärem Stardome – versus “ursprüngliche Ideale”, sowie dem viel beschworenen “Ende der Unschuld”.
THE WHO mit Ihrer Rockoper - Tommy (1975)
Die Geschichte des posttraumatisch-behinderten Jungen Tommy gelingt somit künstlerisch-sinnbildlich, als “Standing” für die absolute, individuelle Freiheit aber auch für die Vergänglichkeit des Ruhms, nicht nur im Falle der britischen Rockband, sondern gesellschaftlich und sozial allgemeingültig interpretierbar.
Handwerklich stechen, neben leisem und selten verkitschtem Drama, die audiovisuellen Abarten, welchen man sich jedoch nicht entziehen kann, in Augen und Ohren, wobei diese Mischung trotzdem homogen wirkt. Der Grat zwischen Vergnügen und Qual ist schmal, denn schnelle, harte Schnitte und Kamerafahrten fusionieren mit schrill-überzeichneten, adrenalinschwangeren Hymnen, gerade die weiblichen Stimmen scheinen gleichsam zu entzücken und zu verstören.
THE WHO mit Ihrer Rockoper - Tommy (1975)

Ein masochistisches, niederes Maß an Gewalt, explizit umgesetzt, bildet die Würze, sodass “Tommy”, bereits einmalig gesehen, alle Sinne fordert, sowie in Herz und Hirn unvergessen bleibt.