Ein Scharfschütze, der seinen eigenen Regeln folgt
Manchmal braucht ein Western keine staubigen US-Prärien, um zu funktionieren. Quigley, der Australier verlegt das klassische Genre kurzerhand ans andere Ende der Welt – und macht daraus einen Film, der vertraut wirkt und trotzdem frisch bleibt.
Matthew Quigley ist ein Mann der alten Schule. Ein Scharfschütze mit außergewöhnlichem Talent und einem moralischen Kompass, der sich nicht so einfach verbiegen lässt. Er wird von einem reichen Viehbaron nach Australien geholt – angeblich, um ein Problem mit wilden Tieren zu lösen.
Doch schnell wird klar, dass hinter dem Auftrag etwas ganz anderes steckt.
Quigley weigert sich. Und genau damit beginnt sein Problem.
Was folgt, ist kein klassischer Showdown-Western, sondern eine Geschichte über Prinzipien, Überleben und den Konflikt zwischen Macht und Moral.
Simon Wincer – klassischer Western mit neuem Anstrich
Regisseur Simon Wincer versteht das Genre – und spielt gleichzeitig damit.
Quigley, der Australier ist in seiner Struktur ein klassischer Western: Ein Einzelgänger, ein übermächtiger Gegner, ein Konflikt, der unausweichlich ist. Doch durch das Setting bekommt der Film eine ganz eigene Note.

Das australische Outback ersetzt die amerikanische Prärie – und wirkt dabei genauso rau, genauso unberechenbar. Die Landschaft wird zur Herausforderung, zur Bedrohung und gleichzeitig zur Bühne für die Geschichte.
Wincer inszeniert das Ganze mit viel Gespür für Tempo und Atmosphäre. Die Handlung entwickelt sich ruhig, aber konsequent – bis zum unvermeidlichen Finale.
Tom Selleck – mehr als nur ein TV-Star
Im Zentrum steht Tom Selleck, der hier zeigt, dass er mehr kann als Serienhelden.
Sein Quigley ist kein lauter Revolvermann. Er ist ruhig, kontrolliert – und gerade deshalb gefährlich. Selleck spielt ihn mit einer Gelassenheit, die perfekt zur Figur passt.
Man glaubt ihm sofort, dass er nicht kämpfen will – aber jederzeit bereit ist, wenn es nötig wird.

Diese Zurückhaltung macht seine Figur so stark. Kein großes Ego, kein unnötiges Drama – nur klare Prinzipien.
Alan Rickman – ein Bösewicht mit Stil
Und dann ist da Alan Rickman.
Als Gegenspieler liefert er genau das, was ein guter Western braucht: Präsenz, Charisma – und eine unterschwellige Bedrohung. Sein Charakter ist kein einfacher Schurke, sondern ein Mann, der sich selbst für überlegen hält.
Rickman spielt das mit einer Eleganz, die den Film deutlich aufwertet. Jede Szene mit ihm hat Gewicht.
Laura San Giacomo – mehr als nur Begleitung
An der Seite von Quigley steht Laura San Giacomo, die dem Film eine emotionale Ebene verleiht.
Ihre Figur bringt Chaos, Energie und gleichzeitig Verletzlichkeit in die Geschichte. Sie ist nicht einfach nur Begleiterin, sondern ein wichtiger Teil der Dynamik.
Der Mythos des Westerns – neu erzählt
Was Quigley, der Australier so interessant macht:
Er nimmt klassische Western-Elemente und setzt sie in ein neues Umfeld.
👉 der einsame Held
👉 der moralische Konflikt
👉 der unvermeidliche Showdown
Alles ist da – aber eben nicht in den USA, sondern im australischen Outback. Und genau das gibt dem Film seinen eigenen Charakter.
Atmosphäre – Weite, Hitze und Isolation
Die Landschaft spielt eine zentrale Rolle. Die Weite Australiens wirkt gleichzeitig faszinierend und bedrohlich.
Kein Schutz, keine Sicherheit – nur offene Flächen und die Frage, wer sich hier durchsetzt.

Diese Umgebung verstärkt die Geschichte und macht den Film visuell besonders stark.
Fun Facts
- Tom Selleck trainierte intensiv mit dem Sharps-Gewehr für seine Rolle.
- Der Film wurde größtenteils in Australien gedreht, was ihm seine authentische Optik verleiht.
- Alan Rickman war zu dieser Zeit noch relativ früh in seiner Filmkarriere und sticht hier bereits heraus.
- Der Film gilt als einer der beliebtesten „modernen Western“ der 90er.
Fazit
Quigley, der Australier (1990) ist ein starker Western mit ungewöhnlichem Setting, überzeugenden Darstellern und einer klassischen, aber wirkungsvollen Geschichte.
Ein Film, der zeigt, dass das Western-Genre auch außerhalb Amerikas funktioniert.
Retro-Bewertung
8 von 10 Videokassetten
Atmosphärischer Western mit starkem Cast und frischem Setting.
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