Speed 2: Cruise Control (1997) Hochsee-Action auf Sparflamme
Hochsee-Action auf Sparflamme – Wenn der Adrenalinschub über Bord geht
Nach dem Sensationserfolg von „Speed“ (1994) mit Keanu Reeves und Sandra Bullock stand fest: Es musste eine Fortsetzung geben.
Regisseur Jan de Bont, der das Genre mit Bus, Bombe und Dauer-Tempo neu befeuert hatte, wollte den Thrill auf See bringen – größer, teurer, spektakulärer.
Doch während der erste Teil ein nahezu perfekter Actionthriller war, gleitet „Speed 2: Cruise Control“ (1997) auf seinem Luxusdampfer eher in ruhigeres Fahrwasser – und das nicht immer freiwillig.
Handlung – Ein Ozeanriese auf Kollisionskurs
Nach den Ereignissen von Speed hat Annie Porter (Sandra Bullock) genug von riskanten Abenteuern.
Sie ist jetzt mit Alex Shaw (Jason Patric) zusammen – einem scheinbar bodenständigen Polizisten, der allerdings beim LAPD als Bombenexperte arbeitet (na super).
Um Abstand vom Stress zu gewinnen, gönnt sich das Paar eine Kreuzfahrt auf dem Luxusliner Seabourn Legend durch die Karibik.
Doch die Idylle endet abrupt, als John Geiger (Willem Dafoe), ein ehemaliger Software-Ingenieur der Reederei, das Schiff kapert.

Geiger, krank und rachsüchtig, will das Schiff auf Kollisionskurs mit einem Tanker bringen – als Rache für seine Kündigung und die Behandlung durch die Reederei.
Während Panik an Bord ausbricht, liegt es an Alex und Annie, den Wahnsinnigen zu stoppen – und die Katastrophe zu verhindern.
Das Problem: Man kann kein Gaspedal durchtreten – man kann nur hoffen, dass das Schiff bremst, bevor alles explodiert.
Die Hauptdarsteller – Vertraute Gesichter, fehlende Chemie
-
Sandra Bullock als Annie Porter:
Bullock bleibt das Herz des Films – sympathisch, chaotisch, charmant.
Sie spielt erneut die „Frau von nebenan“, die in den Albtraum gerät. Doch ohne den Humor und die Chemie mit Keanu Reeves wirkt ihre Figur blasser. Trotzdem: Sie trägt den Film mit Professionalität und einer Portion Selbstironie. -
Jason Patric als Officer Alex Shaw:
Solide, aber farblos. Patric ist ein guter Schauspieler, aber kein charismatischer Actionheld. Ihm fehlt das augenzwinkernde Spiel, das Reeves so zugänglich machte.
Seine ruhige Art passt nicht zur aufgedrehten Action – und das romantische Zusammenspiel mit Bullock zündet kaum. -
Willem Dafoe als John Geiger:
Der wahre Star des Films!
Dafoe ist übertrieben, böse, verschwitzt und komplett durchgeknallt – ein klassischer 90er-Jahre-Schurke mit Golfbällen im Blut (kein Scherz – er nutzt Blutegel gegen seine Krankheit).
Er spielt so exzessiv, dass man ihn einfach lieben muss. -
Temuera Morrison, Colleen Camp und Glenn Plummer (der auch schon im ersten Teil kurz auftauchte) runden das Ensemble mit sympathischen Nebenrollen ab.
Regie – Jan de Bont auf Kurs Richtung Hollywood-Gigantismus
Regisseur Jan de Bont, zuvor Kameramann bei Stirb Langsam und Basic Instinct, versuchte hier, den Erfolg von Speed zu übertrumpfen.
Statt eines Busses auf dem Highway wollte er ein ganzes Kreuzfahrtschiff ins Zentrum der Katastrophe setzen – größer, lauter, teurer.
Und teuer wurde es: Mit einem Budget von rund 160 Millionen Dollar war Speed 2 einer der kostspieligsten Filme der 90er.
Doch das Konzept – „Speed auf einem Schiff“ – erwies sich als Problem:
Was auf Rädern rasante Spannung bot, wurde auf Wasser … träge.

Trotz aufwendiger Sets, echten Schiffen und real gedrehten Kollisionen fehlt dem Film das, was den Vorgänger auszeichnete: Tempo, Witz und Nervenkitzel.
Visuell überzeugt de Bont wie gewohnt – die Explosionen und Untergangsszenen sind bombastisch und handwerklich makellos.
Doch das Drehbuch bleibt oberflächlich, und die Figuren werden zu Passagieren ihrer eigenen Klischees.
Kritik – Zwischen Schiffbruch und Spektakel
„Speed 2: Cruise Control“ ist das Paradebeispiel für ein überambitioniertes Sequel: mehr Geld, weniger Seele.
Während der erste Teil eine clevere Idee hatte, versucht Teil zwei, sie zu wiederholen – nur ohne Konzept.
Die Spannung fehlt, die Action wirkt gedehnt, und die Dialoge sind stellenweise unfreiwillig komisch.
Dafür glänzt der Film mit grandioser Kameraarbeit, echten Stunts und praktischen Effekten, die heute – im Zeitalter des CGI – erstaunlich gut altern.
Kritiker zerrissen ihn damals in der Luft, doch rückblickend hat Speed 2 einen gewissen Trash-Charme:
Er ist zu groß, zu laut, zu absurd – und genau das macht ihn auf VHS oder als Late-Night-Actionfilm wieder sehenswert.
Fun Facts zum Film
-
Keanu Reeves lehnte die Rückkehr als Jack Traven ab – angeblich, weil er das Script las und sagte: „No Speed on a boat.“
-
Der Film wurde auf echten Kreuzfahrtschiffen in der Karibik gedreht, darunter die Seabourn Legend.
-
Die finale Crash-Sequenz in den Hafen von Saint Martin kostete über 25 Millionen Dollar – und wurde mit einem echten 1:1-Schiffsrumpf gedreht, kein Modell!
-
Sandra Bullock spendete ihre gesamte Gage (rund 12,5 Mio. Dollar) teilweise an wohltätige Zwecke, weil sie den Film selbst als „nicht so gelungen“ empfand.
-
Willem Dafoe sagte später scherzhaft: „Ich hatte den besten Spaß, den man auf einem sinkenden Schiff haben kann.“
-
Der Film gewann 8 Goldene Himbeeren (u.a. für „Schlechtester Film“ und „Schlechtestes Paar“).
Fazit – Ein spektakulärer Schiffbruch mit Kultcharme
„Speed 2: Cruise Control“ ist kein guter Film – aber ein beeindruckender Fehlschlag.
Er zeigt, wie Hollywood in den 90ern dachte: mehr Budget = mehr Spannung.
Doch statt Adrenalin gibt’s Seegang.

Trotzdem: visuell opulent, technisch beeindruckend und mit einem Willem Dafoe, der den Wahnsinn in Person spielt.
Als ernstzunehmender Thriller gescheitert – als überdimensioniertes Popcorn-Vergnügen ein guilty pleasure für Fans des 90er-Actionkinos.
Retro-Bewertung
🚤 Action & Effekte: ★★★★☆
🎭 Schauspiel (Bullock / Dafoe / Patric): ★★★☆☆
🎬 Regie (Jan de Bont): ★★★☆☆
📼 90er-Kult- & Trashfaktor: ★★★★☆
👉 Gesamt: 3,5 von 5 Retro-Sternen
| Story | |
| Spannung | |
| Action | |
| Nostalgie |
| Story | |
| Spannung | |
| Action | |
| Nostalgie | |
|
|
![]()






