THE CHASE – Ein Mann wird gejagt (1966) Südstaatenhitze, moralischer Verfall

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THE CHASE – Ein Mann wird gejagt (1966)

Südstaatenhitze, moralischer Verfall – und ein Film, der heute stärker brennt als damals

Es gibt diese Filme aus den 60ern, die bei der ersten Sichtung wirken wie klassisches Studiokino – und dann entfalten sie eine Wucht, die dich noch Tage später beschäftigt.
„The Chase – Ein Mann wird gejagt“ (1966) gehört genau in diese Kategorie. Ein Hitze-Thriller voller brodelnder Emotionen, kleinbürgerlicher Gewaltfantasien und einer Stadt, die moralisch längst bankrott ist, bevor der erste Schuss fällt.

Regisseur Arthur Penn, später berühmt für „Bonnie & Clyde“, legte hier einen frühen Schlag in die Magengrube vor – ein Film, der zeigt, wie schnell aus Gerüchten Fackeln werden und wie dünn die Schicht zwischen Zivilisation und Chaos wirklich ist.


Handlung – Wenn eine ganze Stadt die Nerven verliert

Die texanische Kleinstadt Tarl County steht an einem scheinbar gewöhnlichen Wochenende Kopf:
Der Sträfling Bubber Reeves (Robert Redford) ist aus dem Gefängnis geflohen. Und obwohl keiner weiß, was wirklich passiert ist, drehen die Leute komplett durch.

Die reichen Bürger zitieren sich in ihre Wohnzimmer, kippen Whiskey in sich hinein und malen sich die wildesten Szenarien aus. Die Jugend tobt hemmungslos durch die Nacht. Die Ehen der High Society platzen wie Seifenblasen. Und überall hängt ein einziger Gedanke in der Luft: „Er kommt zurück.“

Der Einzige, der die Ruhe bewahrt, ist Sheriff Calder (Marlon Brando) – ein ehrlicher Mann, der zwischen allen Fronten steht.
Er möchte Bubber lebend zurückbringen.
Die Stadt möchte ein Exempel statuieren.
Und Bubbers Frau Anna (Jane Fonda) steckt in einem emotionalen Pulverfass zwischen Vergangenheit, Schuld und Sehnsucht.

Als Bubber schließlich wirklich auftaucht, eskaliert die Lage.
Und die Stadt zeigt ihr wahres Gesicht.


Darsteller – Hollywood-Royalty im Ausnahmezustand

Was hier vor der Kamera versammelt wurde, ist pures Gold der Filmgeschichte.

Marlon Brando – Sheriff Calder

Brando spielt Calder als moralisches Bollwerk: ruhig, abgekämpft, aber unverwüstlich. Ein Mann, der das Richtige tun will, in einer Welt, die längst das Falsche feiert. Seine Szenen gehören zu den stillsten, aber zugleich kraftvollsten im ganzen Film.

Robert Redford – Bubber Reeves

Ein junger Redford, der schon hier diese unglaubliche Leinwandpräsenz mitbringt. Sein Bubber ist weniger Verbrecher als tragische Figur – ein Mann, den die Welt immer wieder in die Ecke gedrängt hat.

Jane Fonda – Anna Reeves

Fonda brilliert in einer emotional komplexen Rolle, zerrissen zwischen Loyalität, Schuld und Angst. Ihre Szenen wirken fast schon modern, so direkt und intensiv spielt sie.

E.G. Marshall, Angie Dickinson, Robert Duvall & viele mehr

Ein Ensemble, wie es heute kaum noch zusammengestellt wird. Jede Nebenrolle sitzt, jede Figur hat ein eigenes inneres Feuer. Besonders Robert Duvall liefert ein verstörend authentisches Porträt eines von Angst zerfressenen Mannes.


Regie – Arthur Penn lässt Amerika brennen

Penn gelingt etwas Besonderes:
Er lässt die ganze Stadt zu einem Charakter werden.

Die Kamera schwenkt durch Wohnzimmer, Bars, Hinterhöfe und Partys – überall brodelt es, überall warten unausgesprochene Wahrheiten darauf, herauszubrechen. Penn hält den Spiegel hin und zeigt ein Amerika, das sich selbst vergiftet:

  • Rassismus

  • Heuchelei

  • Alkohol

  • Egoismus

  • Gewaltlust

  • sozialer Druck

Was heute wie ein Kommentar auf moderne Shitstorms wirkt, war damals eine bitter notwendige Abrechnung mit dem amerikanischen Traum.


Atmosphäre – Schwüle Luft, faule Moral und klaustrophobische Stimmung

Der ganze Film ist wie ein heißer Tag, an dem man erwartet, dass das Gewitter alles zerfetzt.
Die Luft steht.
Der Bass dröhnt leise.
Die Blicke werden länger, harter, gnadenloser.

Die Südstaatenhitze klebt regelrecht am Bild – und je näher Bubber kommt, desto höher steigt die Temperatur im Zuschauerraum.
„The Chase“ ist eines dieser Werke, das dich in die Enge treibt, ohne ein einziges Monster zu zeigen.

Die Monster sind die Bürger selbst.


Fun Facts – Filmgeschichte in Aufruhr

  • Produzent Sam Spiegel mischte sich ständig ein, was zu heftigen Reibereien mit Arthur Penn führte.

  • Viele Kritiker sehen den Film als Brückenschlag zwischen klassischem Hollywood und dem kommenden New Hollywood.

  • Robert Redfords Rolle machte ihn zu einem der interessantesten Jungstars der 60er.

  • Burt Bacharach komponierte den Score – einer seiner düstersten Beiträge überhaupt.

  • Der Film spielt nahezu in Echtzeit und wirkt dadurch fast dokumentarisch.


Kritik – Ein unterschätztes Meisterwerk

„The Chase“ wurde damals gemischt aufgenommen – heute ist er ein Geheimtipp unter Cineasten.
Brando liefert eine seiner nuanciertesten Performances, Redford und Fonda brennen vor Energie und Penn hält das moralische Skalpell direkt an die Pulsader der Gesellschaft.

Der Film ist unbequem, drückend und manchmal brutal ehrlich.
Aber genau das macht ihn so zeitlos.


Fazit – Ein Film wie ein Gewitter über einer kleinen Stadt

„The Chase – Ein Mann wird gejagt“ ist kein Wohlfühlfilm.
Er ist ein Brocken.
Ein gesellschaftlicher Spiegel, eine Charakterstudie und ein emotionales Trommelfeuer.

Ein Werk, das sich tief in die Retro-Filmseele einbrennt und jedem zeigt, wie mächtig Kino sein kann, wenn es den Mut hat, weh zu tun.

Für Fans anspruchsvoller 60er-Dramen: ein absolutes Muss.
Für Neueinsteiger: eine Entdeckung.
Für Retro-Film-Leser: Filmgeschichte pur.


🎬 Retro-Bewertung

Schauspiel: ★★★★★
Spannung: ★★★★☆
Atmosphäre: ★★★★★
Regie: ★★★★★
Retro-Flair: ★★★★☆

👉 Gesamt: 4,5 von 5 Retro-Sternen


Story
Spannung
Action
Nostalgie


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