The Getaway (1972) – McQueen, MacGraw & Peckinpah: Ein Flucht-Thriller, der Asphaltgeschichte schrieb

The Getaway (1972) – Steve McQueen rennt, Sam Peckinpah inszeniert und der 70er-Thriller zündet bis heute
Es gab eine Zeit, da brauchte ein Actionfilm weder CGI noch Dauerballerei, um legendär zu sein – ein cooler Hauptdarsteller, ein knallhartes Script und eine Regie, die wusste, wie man Spannung auf 35mm brennt, reichten vollkommen.
„The Getaway“ (1972) ist genau so ein Fall.
Regisseur Sam Peckinpah, der Patron des rauen 70er-Kinos, trifft hier auf Steve McQueen, den König der Coolness – und gemeinsam liefern sie einen Fluchtfilm ab, der bis heute den Geruch von Benzin, Schweiß und kaputten moralischen Kompass in den Kinosälen hinterlässt.

Der Film basiert auf dem Roman von Jim Thompson, einem Meister der Noir-Literatur, und das spürt man in jeder Szene: Staubtrocken, dreckig, moralisch verformt und voller Figuren, die man nachts nicht auf seiner Veranda treffen möchte.
Worum geht’s? – Ein Gangster, eine zweite Chance & ein Fluchtplan, der alles riskiert
Doc McCoy (Steve McQueen), einst ein brillanter Bankräuber, sitzt wegen eines missglückten Coups im Knast und sieht seine Welt zerfallen. Als seine Frau Carol (Ali MacGraw) einen Deal mit einem korrupten Politiker einfädelt, kommt er frei – natürlich zu einem Preis: Er muss einen neuen Überfall durchziehen.
Der Coup gelingt… fast.
Doch wie es in Peckinpahs Universum üblich ist, wird Vertrauen überbewertet und Loyalität ist ein Fremdwort. Die Flucht entwickelt sich zu einem nervenzerreißenden Roadtrip durch Texas, gespickt mit Verrat, Gewalt, Verfolgungsjagden und einem Duo, das sich liebt, zerfleischt – und doch zusammenbleibt, weil der Weg zurück keine Option ist.
Regie & Stil – Peckinpah dreht die 70er auf
Sam Peckinpah ist ein Regisseur, der Kino nie als Wohlfühloase verstanden hat.
Auch in The Getaway zeigt er das:
knallharte Shootouts
hyperpräzise Action
schnörkellose Montage
staubige Texas-Stimmung
eine brutale Ehrlichkeit, die man heute kaum noch findet
Der Film hat genau diesen authentischen 70er-Ton, in dem Gewalt nicht glamourös, sondern schmutzig und unangenehm wirkt. Peckinpah verzichtet bewusst auf die stilisierten Blutfontänen aus The Wild Bunch, legt dafür aber Wert auf Tempo, Spannung und Charakterkonflikte.

Besonders stark sind die Momente zwischen McQueen und MacGraw – teils improvisiert, teils angespannt, oft explosiv. Der Film lebt genau von dieser Reibung zwischen Flucht, Liebe und Misstrauen.
Hauptdarsteller
Steve McQueen – Doc McCoy
Ali MacGraw – Carol McCoy
Ben Johnson – Jack Beynon
Sally Struthers – Fran Clinton
Al Lettieri – Rudy Butler
Slim Pickens – Cowboy mit Herz & Pickup-Truck
Steve McQueen – Wenn „Coolness“ ein menschlicher Körper wäre
McQueen trägt den Film mit einer Selbstverständlichkeit, die heute fast surreal wirkt.
Er spielt Doc McCoy mit einer Mischung aus Präzision, innerer Spannung und Coolness, die einfach perfekt zu Peckinpahs Welt passt.

Sein Spiel ist minimalistisch, aber intensiv – ein Hauptdarsteller, der nicht schreit, sondern durch Präsenz dominiert. Genau dieses Underacting macht The Getaway so stark.
Ali MacGraw – Die Frau zwischen Loyalität und Überleben
Ali MacGraw liefert hier eine der interessantesten 70er-Frauenrollen ab:
Carol ist keine klassische Gangsterbraut, sondern emotional komplex, hin- und hergerissen zwischen Schuld, Liebe und Überforderung. Ihre Szenen mit McQueen haben eine ungeschminkte Ehrlichkeit, die auch hinter der Kamera weiterbrannte – bekanntlich verliebten sich beide während der Dreharbeiten.
Warum der Film heute noch so gut funktioniert
Er ist ehrlich, rau und unpoliert.
Peckinpah zeigt Amerika, wie es 1972 wirklich war: staubig, gespalten, gefährlich.
McQueen ist in absoluter Topform.
Die Action ist handgemacht, ohne künstliche Showeffekte.
Das Tempo sitzt wie ein Schlag in die Rippen.
The Getaway hat dieses seltene Gefühl von „ziemlich real“, das moderne Actionfilme kaum noch liefern.
Ein Flucht-Thriller ohne Kitsch, ohne Kompromisse – und ohne Pause.
Fun Facts
Steve McQueen bestand darauf, selbst große Teile der Verfolgungsjagden zu fahren.
McQueen & MacGraw wurden während der Dreharbeiten tatsächlich ein Paar – sehr zum Ärger von MacGraws Ehemann Robert Evans.
Peckinpah wollte eigentlich ein viel düstereres Ende – McQueen setzte ein positiveres durch.
Al Lettieri, der den skrupellosen Rudy spielt, soll teilweise mit realen Gangsterbekannten gearbeitet haben.
Der Film war einer der größten Hits 1972 und machte Peckinpah wieder voll salonfähig in Hollywood.
Fazit – Ein 70er-Thriller wie mit Schraubenschlüssel zusammengebolzt
The Getaway ist ein kerniger, schnörkelloser und unglaublich atmosphärischer Fluchtfilm, der auch 50 Jahre später noch so frisch wirkt wie ein heißer Asphaltmorgen in Texas.
McQueen in absoluter Höchstform, MacGraw emotional aufgeladen, Peckinpah mit sicherer Hand – das ergibt ein Stück Kino, das im Retro-Film-Kosmos einen Ehrenplatz hat.
Wer 70er-Krimis liebt, bekommt hier ein Meisterstück.
Wer McQueen liebt, sowieso.
Und wer Fluchtfilme mag, wird „The Getaway“ garantiert mehr als einmal ansehen.
Retro-Bewertung
🎬 Film: ★★★★★
🚘 Action & Flucht-Feeling: ★★★★☆
🔥 McQueen-Coolness: ★★★★★
📼 70er-VHS-Charme: ★★★★☆
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