31. Mai 2020

RETRO-FILM

Vergessen war gestern, wir sprechen darüber!

Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Nicolas Roegs größter Erfolg – Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Der englische Maler John Baxter kommt mit seiner Frau Laura nach Venedig, wo er Kirchenmalereien restaurieren soll. Beide trauern um ihr Kind, das erst kürzlich ertrunken ist. Als sie zwei mysteriösen Schwestern begegnen, von denen eine blind ist und angeblich übersinnliche Fähigkeiten hat, entwickelt sich ihr Aufenthalt zum Alptraum und beide geraten in den Bann unheimlicher Visionen.


Architekt John (Donald Sutherland) und seine Frau Laura (Julie Christie) wollen den Kummer um den Verlust ihrer kleinen Tochter Christine im schönen Venedig verarbeiten und wieder zueinander finden. Aber auch der Beruf als Architekt beschäftigt John dort. Laura besichtigt derweil die Stadt und lernt zwei ältere Frauen kennen. Zwei männliche Zwillinge in Frauenkleider eher. Eine/r davon hat Visionen über Lauras verstorbene Tochter, und scheint auch ansonsten noch mehr zu wissen… Laura, die den Verlust immer noch nicht überwunden hat, spricht sofort darauf an und beginnt überall in der Stadt nach Christine zu suchen. John dagegen verweigert sich der Trauer vollends und hält seine Frau für verrückt und ist weitgehend zuerst mit seinem Restaurationsprojekt beschäftigt und reagiert sehr wütend auf Lauras Vorhaben. Später aber ist er sich dessen, in der Stadt Venedig mit ihren vielen versteckten Winkeln und der bedrückend aufgeladenen und düsteren Stimmung, nicht mehr so sicher. So sieht John Laura auf einer trauertragenden Gondel und versteht nicht, dass er womöglich in eine mögliche Zukunft sieht. Bald schon verwandelt sich die ursprünglich geplante gemeinsame Zeit in einen nicht enden wollenden Albtraum. Werden sie ihre Christine letztendlich wiederfinden oder wenigstens ihre Ehe retten können oder wohin führt uns dies Reise?

Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Es geht hier weniger um die Frage, ob die Tochter auftauchen wird oder nicht. Ebenso wenig um das Lösen eines Rätsels oder gar ein überirdisches Wesen oder dass Christine wiederauferstanden ist. Kaum ein anderer Film bietet dergleichen viele unterschiedlichste Interpretationsmöglichkeiten, was jetzt genau die Visionen Johns über eine drohende Gefahr angehen. Immer wieder nimmt er in mehreren Szenen ein kleines Mädchen in auffälliger roter Kapuzenjacke wahr. Genauso war Johns Tochter Christine gekleidet, als sie indirekt vor den eigenen Augen tödlich ertrank. Versucht die tote Tochter über Johns Visionen ihn zu warnen? Oder ist es dieser Serienkiller, welcher bereits dringlich von der Venediger Polizei gesucht wird? Und letztendlich einem potentiellen zukünftigen Opfer nachstellt? Und was hat es mit diesen sehr seltsamen beiden Zwillingen und deren Visionen auf sich?

Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Vielleicht sind es dann auch keine Visionen, sondern lediglich Zufälle und Johns unverarbeitete Trauerarbeit aufgrund der Tatsache, dass er seiner verstorbenen Tochter nicht helfen konnte. Solche und viele weitere Fragen werfen sich erst im Verlauf des Films und einige erst nach dem Finale am Ende auf. Und bleiben auch nach mehreren Sichten jedem selbst offenen Spielraum für Interpretationen überlassen. Genau das macht diesen Film auch so besonders und einzigartig.

Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Wenige Filme bzw. Storylines bieten dermaßen viel Raum an Reflexion und Erklärungsdiversitäten. Es liegt nahe, dass es nicht die eine Wahrheit gibt, daher gibt dieser Film auch so viel her als nur ein kurzer Schrecken oder Horror. Die stark beängstigende und verstörende Stimmung durch eindrucksvolle Kulissenbilder und die scheinbar labyrinthartige und durchweg stark beklemmende Atmosphäre wird durch die Filmmusik noch gesteigert an Dramatik. Und doch sind es auch die Kleinigkeiten, die einem erst nach mehrmaligem Sehen auffallen und dann auch Sinn ergeben.

Wir haben es hier mit einem erstklassigen Horror/Psychothriller zu tun, der seines gleichen sucht. In Bezug auf die Storyline, sehr gut durchdachtes Konzept, das viele überraschende Elemente und durchweg viel Nervenkitzel und Spannung bietet, aber ebenso die Schauspieler geben hier alles. Die drohende Gefahr hängt wie ein Damoklesschwert über der gesamten Handlung. Eher was für Hartgesottene aber absolut Top-Film und ein Meisterwerk aus diesem Genre.


%d Bloggern gefällt das: