David Cronenberg’s “Shivers – Parasiten Mörder” (1975)

Unkontrollierbare Gewalt und bizarre sexuelle Verhaltensweisen breiten sich in der klaustrophobischen Abgeschiedenheit eines Montrealer Apartmentkomplexes aus und bedrohen die Menschheit. Ein Wissenschaftler ist auf der Suche nach einem Parasiten, der Organverpflanzungen überflüssig macht. Er möchte einen Organismus erschaffen, der den triebhaften Urinstinkt des Menschen neu beleben soll. Als er an einer jungen Frau experimentiert, gerät das Experiment außer Kontrolle. Der Parasit schaltet den Verstand der Frau vollkommen aus, sie wird zu einer blutrünstigen und Menschenfleisch fressenden Sexbestie. Sie verkehrt mit unzähligen Männern, in denen sich der Parasit vermehrt und somit ausbreitet. Alle, die vom Parasiten befallen werden, verwandeln sich in sexbesessene, mordlüsterne Bestien mit andersartigen sexuellen Phantasien

Parasiten Mörder 1975 Film David Cronenberg: Eine Rezension

David Cronenberg ist ein Name, der für Horrorfilme steht, die nichts für schwache Nerven sind. Sein Film Shivers aus dem Jahr 1975 bildet da keine Ausnahme. Der Film handelt von einem Hochhaus, das von parasitären Killern befallen ist, was sogar der Titel der deutschen Fassung des Films war. Allerdings ist der Anfang des Films recht unsubtil und kann als schmieriger Horror eingestuft werden, ohne dem Mann Unrecht zu tun. Die Eröffnungsszene zeigt einen Arzt, der mit einem 19-jährigen Mädchen in Schulmädchenuniform kämpft. Er überwältigt sie, schneidet ihr den Bauch auf und korrodiert dann ihr Inneres mit Säure, bevor er Selbstmord begeht, indem er sich selbst die Kehle durchschneidet. Obwohl diese Szene eine gewisse Relevanz für die Geschichte hat, soll sie in erster Linie den Zuschauer zum Weiterschauen verleiten.

Bald darauf wird dem Publikum der Grund für die grausame Szene erklärt. Der Arzt war ein Wissenschaftler, der einen Parasiten für Organtransplantationen geschaffen hatte, der jedoch außer Kontrolle geraten war. Das ermordete Mädchen war sein Testobjekt und zeigte Ausbrüche von Sex und Gewalt. Diese Erklärung erhält Roger St. Luc (Paul Hampton), ein Freund des Wissenschaftlers und selbst Arzt. Praktischerweise wird Roger zum Helden der Geschichte und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe.

Allerdings hat das ermordete Mädchen den Parasiten während ihrer nymphomanen Ausbrüche auf andere Bewohner des Hochhauses übertragen. Roger erfährt dies, als mehrere männliche Patienten mit ähnlichen ungeklärten Symptomen zur Behandlung zu ihm kommen. Er besucht den Apartmentkomplex, doch die Parasiten haben sich bereits ausgebreitet.

Was Shivers davon abhält, über die Kategorie „einfach okay“ hinauszuwachsen, ist die schwache Geschichte. Schon früh ist klar, wie der Film enden wird, daher ist das Ende keine Überraschung. Außerdem nervt der Schmuddelfaktor des Films. Cronenberg verwendet in dem Film zu oft unnötige Nacktheit, die eher peinlich und uninspiriert als provokativ ist (z. B. die lächerliche Umkleidekabinenszene der Krankenschwester).

Allerdings macht Cronenberg das Beste aus dieser Prämisse, und das ist mehr als das, was ein gewöhnlicher Regisseur getan hätte. Er nutzt konsequent die Hochhauskulisse und erzeugt ein Gefühl der Gefangenschaft, während die Parasiten immer mehr Bewohner und die Kontrolle über den Komplex übernehmen. Rasante Verfolgungsjagden und Drohungen auf Schritt und Tritt für die Charaktere sorgen für kleine Momente der Spannung, was Cronenbergs Versäumnis, über den gesamten Film einen Spannungsbogen aufzubauen, teilweise ausgleicht.

Darüber hinaus zeigen mehrere Szenen Hinweise auf Cronenbergs spätere Regie. Neben der offenen Handlung um sexuelle, orgiastische Genüsse kann Cronenberg auch subtil sein Lieblingsthema einführen. Eine beträchtliche phallische Symbolik zieht sich durch den Film, beginnend mit der Form der Parasiten und der Verwendung interessanter Requisiten, wenn die Parasiten erwähnt werden (Gurken oder der Aal im Aquarium). Obwohl es „Shivers“ an Tiefe mangelt und Cronenberg mehr zeigt, als er hinterfragt, lernt er immer noch dazu.

Allerdings ist die schauspielerische Leistung nicht beeindruckend und man sollte seine Erwartungen zurückschrauben. Keiner der Darsteller kann einen bleibenden Eindruck hinterlassen und der Hauptrolle mangelt es an Charisma.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Shivers“ ein ordentlicher Cronenberg-Film ist, wenn auch mit einigen Handlungsschwächen. Es lohnt sich jedoch, zu sehen, was Filme wie „Die Nacht der Grusel“ inspiriert hat.

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By Stefan Retro

Seit nun mehr zwei Jahrzehnten habe ich mich den Filmen aus den 50er bis Ende der 90er verschworen. Meine private Filmsammlung wächst stetig und hat mittlerweile eine fünfstellige Zahl erreicht. Sei es VHS, HD DVD, DVD, Blu-ray - bei mir findet alles seinen Platz! Kommt mit auf die Reise in die Vergangenheit!

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